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Das Buch Shmuel Bet

DAS ZWEITE BUCH SAMUEL

11. Kapitel

11,1 Und als das Jahr um war, zur Zeit, da die Könige ins Feld zu ziehen pflegen, sandte Dawid Yoab und seine Männer mit ihm und ganz Israel, damit sie das Land der Ammoniter verheerten und Rabba belagerten. Dawid aber blieb in Jerusalem.

11,2 Und es begab sich, daß Dawid um den Abend aufstand von seinem Lager und sich auf dem Dach des Königshauses erging; da sah er vom Dach aus eine Frau sich waschen; und die Frau war von sehr schöner Gestalt.

11,3 Und Dawid sandte hin und ließ nach der Frau fragen, und man sagte: Das ist doch Batseba, die Tochter Eliams, die Frau Urias, des Hetiters.

11,4 Und Dawid sandte Boten hin und ließ sie holen. Und als sie zu ihm kam, wohnte er ihr bei; sie aber hatte sich gerade gereinigt von ihrer Unreinheit. Und sie kehrte in ihr Haus zurück.

11,5 Und die Frau ward schwanger und sandte hin und ließ Dawid sagen: Ich bin schwanger geworden.

11,6 Dawid aber sandte zu Yoab: Sende zu mir Uria, den Hetiter. Und Yoab sandte Uria zu Dawid.

11,7 Und als Uria zu ihm kam, fragte Dawid, ob es mit Yoab und mit dem Heer und mit dem Krieg gut stünde.

11,8 Und Dawid sprach zu Uria: Geh hinab in dein Haus und wasch deine Füße. Und als Uria aus des Königs Haus hinausging, wurde ihm ein Geschenk des Königs nachgetragen.

11,9 Aber Uria legte sich schlafen vor der Tür des Königshauses, wo alle Kriegsleute seines Herrn lagen, und ging nicht hinab in sein Haus.

11,10 Als man aber Dawid ansagte: Uria ist nicht hinab in sein Haus gegangen, sprach Dawid zu ihm: Bist du nicht von weither gekommen? Warum bist du nicht hinab in dein Haus gegangen?

11,11 Uria aber sprach zu Dawid: Die Lade und Israel und Yahuda wohnen in Zelten, und Yoab, mein Herr, und meines Herrn Kriegsleute liegen auf freiem Felde, und ich sollte in mein Haus gehen, um zu essen und zu trinken und bei meinem Weibe zu liegen? So wahr Haschem lebt und so wahr du lebst: ich tue so etwas nicht.

11,12 Dawid sprach zu Uria: Bleib heute hier, morgen will ich dich gehen lassen. So blieb Uria in Jerusalem an diesem Tage und auch am nächsten.

11,13 Und Dawid lud ihn ein, so daß er bei ihm aß und trank, und machte ihn betrunken. Aber am Abend ging er hinaus, um sich schlafen zu legen auf sein Lager bei den Männern seines Herrn, und ging nicht hinab in sein Haus.

11,14 Am andern Morgen schrieb Dawid einen Brief an Yoab und sandte ihn durch Uria.

11,15 Er schrieb aber in dem Brief: Stellt Uria vornehin, wo der Kampf am härtesten ist, und zieht euch hinter ihm zurück, daß er erschlagen werde und sterbe.

11,16 Als nun Yoab die Stadt belagerte, stellte er Uria dorthin, wo er wußte, daß streitbare Männer standen.

11,17 Und als die Männer der Stadt einen Ausfall machten und mit Yoab kämpften, fielen einige vom Volk, von den Männern Dawids, und Uria, der Hetiter, starb auch.

11,18 Da sandte Yoab hin und ließ Dawid alles sagen, was sich bei dem Kampf begeben hatte,

11,19 und gebot dem Boten: Wenn du dem König alles bis zu Ende gesagt hast, was sich bei dem Kampf begeben hat,

11,20 und siehst, daß der König zornig wird und zu dir spricht: Warum seid ihr so nahe an die Stadt herangerückt im Kampf? Wißt ihr nicht, daß von der Mauer geschossen wird?

11,21 Wer erschlug Abimelech, den Sohn Jerubbaals? Warf nicht ein Weib einen Mühlstein auf ihn von der Mauer, so daß er in Tebez starb? Warum seid ihr so nahe an die Mauer herangerückt?, - so sollst du sagen: Auch dein Knecht Uria, der Hetiter, ist tot.

11,22 Der Bote ging hin und kam und sagte Dawid alles, weswegen Yoab ihn gesandt hatte.

11,23 Und der Bote sprach zu Dawid: Die Männer waren uns übermächtig und zogen heraus aufs Feld gegen uns; wir aber gingen gegen sie an bis an den Eingang des Tores.

11,24 Und die Schützen schossen von der Mauer auf deine Knechte und töteten einige von den Männern des Königs, und auch Uria, dein Knecht, der Hetiter, ist tot.

11,25 Dawid sprach zum Boten: So sollst du Yoab sagen: «Laß dir das nicht leid sein, denn das Schwert frißt bald diesen, bald jenen. Fahre fort mit dem Kampf gegen die Stadt und zerstöre sie. » So sollst du ihm Mut zusprechen.

11,26 Und als Urias Frau hörte, daß ihr Mann Uria tot war, hielt sie die Totenklage um ihren Eheherrn.

11,27 Sobald sie aber ausgetrauert hatte, sandte Dawid hin und ließ sie in sein Haus holen, und sie wurde seine Frau und gebar ihm einen Sohn. Aber Haschem mißfiel die Tat, die Dawid getan hatte.

12. Kapitel

Nathans Strafrede. Dawid bekennt seine Sünde und empfängt Vergebung

12,1 Und Haschem sandte Nathan zu Dawid. Als der zu ihm kam, sprach er zu ihm: Es waren zwei Männer in einer Stadt, der eine reich, der andere arm.

12,2 Der Reiche hatte sehr viele Schafe und Rinder;

12,3 aber der Arme hatte nichts als ein einziges kleines Schäflein, das er gekauft hatte. Und er nährte es, daß es groß wurde bei ihm zugleich mit seinen Kindern. Es aß von seinem Bissen und trank aus seinem Becher und schlief in seinem Schoß, und er hielt's wie eine Tochter.

12,4 Als aber zu dem reichen Mann ein Gast kam, brachte er's nicht über sich, von seinen Schafen und Rindern zu nehmen, um dem Gast etwas zuzurichten, der zu ihm gekommen war, sondern er nahm das Schaf des armen Mannes und richtete es dem Mann zu, der zu ihm gekommen war.

12,5 Da geriet Dawid in großen Zorn über den Mann und sprach zu Nathan: So wahr Haschem lebt: der Mann ist ein Kind des Todes, der das getan hat!

12,6 Dazu soll er das Schaf vierfach bezahlen, weil er das getan und sein eigenes geschont hat.

12,7 Da sprach Nathan zu Dawid: Du bist der Mann! So spricht Haschem: Ich habe dich zum König gesalbt über Israel und habe dich errettet aus der Hand Sauls

12,8 und habe dir deines Herrn Haus gegeben, dazu seine Frauen, und habe dir das Haus Israel und Yahuda gegeben; und ist das zu wenig, will ich noch dies und das dazu tun.

12,9 Warum hast du denn das Wort Haschem verachtet, daß du getan hast, was ihm mißfiel? Uria, den Hetiter, hast du erschlagen mit dem Schwert, seine Frau hast du dir zur Frau genommen, ihn aber hast du umgebracht durchs Schwert der Ammoniter.

12,10 Nun, so soll von deinem Hause das Schwert nimmermehr lassen, weil du mich verachtet und die Frau Urias, des Hetiters, genommen hast, daß sie deine Frau sei.

12,11 So spricht Haschem: Siehe, ich will Unglück über dich kommen lassen aus deinem eigenen Hause und will deine Frauen nehmen vor deinen Augen und will sie deinem Nächsten geben, daß er bei ihnen liegen soll an der lichten Sonne.

12,12 Denn du hast's heimlich getan, ich aber will dies tun vor ganz Israel und im Licht der Sonne.

12,13 Da sprach Dawid zu Nathan: Ich habe gesündigt gegen Haschem. Nathan sprach zu Dawid: So hat auch Haschem deine Sünde weggenommen; du wirst nicht sterben.

12,14 Aber weil du die Feinde Haschem durch diese Sache zum Lästern gebracht hast, wird der Sohn, der dir geboren ist, des Todes sterben.

12,15 Und Nathan ging heim. Und Haschem schlug das Kind, das Urias Frau Dawid geboren hatte, so daß es todkrank wurde.

12,16 Und Dawid suchte Haschem um des Knäbleins willen und fastete, und wenn er heimkam, lag er über Nacht auf der Erde.

12,17 Da traten rzu die Ältesten seines Hauses und wollten ihn aufrichten von der Erde; er aber wollte nicht und aß auch nicht mit ihnen.

12,18 Am siebenten Tage aber starb das Kind. Und die Männer Dawids fürchteten sich, ihm zu sagen, daß das Kind tot sei; denn sie dachten: Siehe, als das Kind noch am Leben war, redeten wir mit ihm, und er hörte nicht auf uns; wie könnten wir ihm nun sagen: Das Kind ist tot! Er könnte ein Unglück anrichten.

12,19 Als aber Dawid sah, daß seine Männer leise redeten, merkte er, daß das Kind tot sei, und sprach zu seinen Männern: Ist das Kind tot? Sie sprachen: Ja.

12,20 Da stand Dawid von der Erde auf und wusch sich und salbte sich und zog andere Kleider an und ging in das Haus Haschem und betete an. Und als er wieder heimkam, ließ er sich Speise auftragen und aß.

12,21 Da sprachen seine Männer zu ihm: Was soll das, was du tust? Als das Kind lebte, hast du gefastet und geweint; nun es aber gestorben ist, stehst du auf und issest?

12,22 Er sprach: Als das Kind noch lebte, fastete ich und weinte; denn ich dachte: Wer weiß, ob mir Haschem nicht gnädig wird und das Kind am Leben bleibt.

12,23 Nun es aber tot ist, was soll ich fasten? Kann ich es wieder zurückholen? Ich werde wohl zu ihm fahren; es kommt aber nicht wieder zu mir zurück.

12,24 Und als Dawid seine Frau Batseba getröstet hatte, ging er zu ihr hinein und wohnte ihr bei. Und sie gebar einen Sohn, den nannte er Salomo. Und Haschem liebte ihn.

12,25 Und er tat ihn unter die Hand des Propheten Nathan; der nannte ihn Jedidja um Haschem willen.

12,26 So kämpfte nun Yoab gegen Rabba, die Stadt der Ammoniter, und eroberte die Königsstadt

12,27 und sandte Boten zu Dawid und ließ ihm sagen: Ich habe gekämpft gegen Rabba und schon die Wasserstadt eingenommen.

12,28 So bring nun das übrige Kriegsvolk zusammen und belagere die Stadt und erobere sie, damit nicht ich sie erobere und mein Name über ihr ausgerufen werde.

12,29 So brachte Dawid das ganze Kriegsvolk zusammen und zog hin und kämpfte gegen Rabba und eroberte es

12,30 und nahm seinem König die Krone vom Haupt; die war an Gewicht einen Zentner Gold schwer, und an ihr war ein Edelstein; und sie wurde Dawid aufs Haupt gesetzt. Und er führte aus der Stadt viel Beute weg.

12,31 Aber das Volk darin führte er heraus und stellte sie als Fronarbeiter an die Sägen, die eisernen Pickel und an die eisernen Äxte und ließ sie an den Ziegelöfen arbeiten. So tat er mit allen Städten der Ammoniter. Danach kehrten Dawid und das ganze Kriegsvolk nach Jerusalem zurück.

13. Kapitel

13,1 Und es begab sich danach: Absalom, der Sohn Dawids, hatte eine schöne Schwester, die Tamar hieß; und Amnon, der Sohn Dawids, gewann sie lieb.

13,2 Und Amnon grämte sich, so daß er fast krank wurde, um seiner Schwester Tamar willen; denn sie war eine Jungfrau, und es schien Amnon unmöglich zu sein, ihr etwas anzutun.

13,3 Amnon aber hatte einen Freund, der hieß Yonadab, ein Sohn von Dawids Bruder Shamma, und dieser Yonadab war ein sehr erfahrener Mann.

13,4 Der sprach zu ihm: Warum wirst du so mager von Tag zu Tag, du Königssohn? Willst du mir's nicht sagen? Da sprach Amnon zu ihm: Ich habe Tamar, die Schwester meines Bruders Absalom, lieb gewonnen.

13,5 Yonadab sprach zu ihm: Lege dich auf dein Bett und stelle dich krank. Wenn dann dein Vater kommt, dich zu besuchen, so sprich zu ihm: Laß doch meine Schwester Tamar kommen, damit sie mir Krankenkost gebe und vor meinen Augen das Essen bereite, daß ich zusehe und von ihrer Hand nehme und esse.

13,6 So legte sich Amnon hin und stellte sich krank. Als nun der König kam, ihn zu besuchen, sprach Amnon zum König: Laß doch meine Schwester Tamar kommen, daß sie vor meinen Augen einen Kuchen oder zwei mache und ich von ihrer Hand nehme und esse.

13,7 Da sandte Dawid zu Tamar ins Haus und ließ ihr sagen: Geh hin ins Haus deines Bruders Amnon und mache ihm eine Krankenspeise.

13,8 Tamar ging hin ins Haus ihres Bruders Amnon; er aber lag zu Bett. Und sie nahm den Teig und knetete ihn und bereitete ihn vor seinen Augen und backte die Kuchen.

13,9 Und sie nahm die Pfanne und schüttete sie vor ihm aus; aber er weigerte sich zu essen. Und Amnon sprach: Laßt jedermann von mir hinausgehen. Und es ging jedermann von ihm hinaus.

13,10 Da sprach Amnon zu Tamar: Bringe die Krankenspeise in die Kammer, damit ich von deiner Hand nehme und esse. Da nahm Tamar die Kuchen, die sie gemacht hatte, und brachte sie zu Amnon, ihrem Bruder, in die Kammer.

13,11 Und als sie diese zu ihm brachte, damit er esse, ergriff er Tamar und sprach zu ihr: Komm, meine Schwester, lege dich zu mir!

13,12 Sie aber sprach zu ihm: Nicht doch, mein Bruder, schände mich nicht; denn so tut man nicht in Israel. Tu nicht solch eine Schandtat!

13,13 Wo soll ich mit meiner Schande hin? Und du wirst in Israel sein wie ein Ruchloser. Rede aber mit dem König, der wird mich dir nicht versagen.

13,14 Aber er wollte nicht auf sie hören und ergriff sie und überwältigte sie und wohnte ihr bei.

13,15 Und Amnon wurde ihrer überdrüssig, so daß sein Widerwille größer war als vorher seine Liebe. Und Amnon sprach zu ihr: Auf, geh deiner Wege!

13,16 Sie aber sprach zu ihm: Daß du mich von dir stößt, dies Unrecht ist größer als das andere, das du an mir getan hast. Aber er wollte nicht auf sie hören,

13,17 sondern rief seinen Diener, der ihm aufwartete, und sprach: Treibe diese von mir hinaus und schließ die Tür hinter ihr zu!

13,18 Und sie hatte ein Ärmelkleid an; denn solche Kleider trugen des Königs Töchter, solange sie Jungfrauen waren. Und als sein Diener sie hinausgetrieben und die Tür hinter ihr zugeschlossen hatte,

13,19 warf Tamar Asche auf ihr Haupt und zerriß das Ärmelkleid, das sie anhatte, und legte ihre Hand auf das Haupt und ging laut schreiend davon.

13,20 Und ihr Bruder Absalom sprach zu ihr: Ist dein Bruder Amnon bei dir gewesen? Nun, meine Schwester, schweig still; es ist dein Bruder, nimm dir die Sache nicht so zu Herzen. So blieb Tamar einsam im Hause ihres Bruders Absalom.

13,21 Und als der König Dawid dies alles hörte, wurde er sehr zornig. Aber er tat seinem Sohn Amnon nichts zuleide, denn er liebte ihn, weil er sein Erstgeborener war. Doch Absalom redete nicht mit Amnon, weder Böses noch Gutes.

13,22 Denn Absalom haßte Amnon, weil er seine Schwester Tamar geschändet hatte.

13,23 Nach zwei Jahren aber hatte Absalom Schafschur in Baal-Hazor, das bei Ephraim liegt. Und Absalom lud alle Söhne des Königs ein

13,24 und kam zum König und sprach: Siehe, dein Knecht hat Schafschur; der König und seine Großen mögen mit seinem Knecht hingehen.

13,25 Der König aber sprach zu Absalom: Nicht doch, mein Sohn, laß uns nicht alle gehen, damit wir dich nicht beschweren. Und obgleich er ihn nötigte, wollte er doch nicht hingehen, sondern entließ ihn mit seinem Segen.

13,26 Absalom sprach: Soll dann nicht mein Bruder Amnon mit uns gehen? Der König sprach zu ihm: Warum soll er mit dir gehen?

13,27 Da nötigte ihn Absalom, daß er Amnon und alle Söhne des Königs mit ihm gehen ließ. Und Absalom machte ein Mahl, wie wenn der König ein Mahl gibt.

13,28 Absalom aber gebot seinen Leuten: Seht darauf, wenn Amnon guter Dinge wird vom Wein und ich zu euch spreche: Schlagt Amnon nieder!, so sollt ihr ihn töten. Fürchtet euch nicht, denn ich hab's euch geboten; seid nur getrost und geht tapfer dran!

13,29 So taten die Leute Absaloms mit Amnon, wie ihnen Absalom geboten hatte. Da sprangen alle Söhne des Königs auf, und jeder setzte sich auf sein Maultier, und sie flohen.

13,30 Und als sie noch auf dem Wege waren, kam das Gerücht vor Dawid, Absalom habe alle Söhne des Königs erschlagen, daß nicht einer von ihnen übriggeblieben sei.

13,31 Da stand der König auf und zerriß seine Kleider und legte sich auf die Erde, und alle seine Großen, die um ihn her standen, zerrissen ihre Kleider.

13,32 Da hob Yonadab, der Sohn Shammas, des Bruders Dawids, an und sprach: Mein Herr denke nicht, daß alle jungen Männer, die Söhne des Königs, tot sind; sondern Amnon allein wird tot sein. Denn das hatte Absalom im Sinn von dem Tage an, da jener seine Schwester Tamar geschändet hatte.

13,33 So möge nun mein Herr, der König, nicht meinen, daß alle Söhne des Königs tot seien, sondern Amnon allein ist tot.

13,34 Absalom aber floh. Und als der Knecht auf der Warte seine Augen aufhob und ausschaute, siehe, da war viel Volk auf dem Wege nach Horonajim, am Abhang.

13,35 Da sprach Yonadab zum König: Siehe, die Söhne des Königs kommen; wie dein Knecht gesagt hat, so ist's ergangen.

13,36 Und nachdem er das gesagt hatte, siehe, da kamen die Söhne des Königs und erhoben ihre Stimme und weinten. Der König und alle seine Großen weinten auch gar sehr.

13,37 Absalom aber floh und ging zu Talmai, dem Sohn Ammihuds, dem König von Geschur. Dawid aber trug Leid um seinen Sohn alle Tage.

13,38 Als aber Absalom geflohen und nach Geschur gezogen war, blieb er dort drei Jahre.

13,39 Und der König Dawid hörte auf, Absalom zu grollen; denn er hatte sich getröstet über Amnon, daß er tot war.

14. Kapitel

14,1 Yoab aber, der Sohn der Zeruja, merkte, daß des Königs Herz an Absalom hing,

14,2 und sandte hin nach Tekoa und ließ von dort eine kluge Frau holen und sprach zu ihr: Stelle dich wie eine Trauernde und zieh Trauerkleider an und salbe dich nicht mit Öl, sondern stelle dich wie ein Weib, das eine lange Zeit Leid getragen hat um einen Toten.

14,3 Und du sollst zum König hineingehen und mit ihm reden so und so. Und Yoab legte ihr die Worte in den Mund, die sie reden sollte.

14,4 Und als die Frau aus Tekoa zum König kam, fiel sie auf ihr Antlitz zur Erde und huldigte ihm und sprach: Hilf mir, König!

14,5 Der König sprach zu ihr: Was hast du? Sie sprach: Ach, ich bin eine Witwe, und mein Mann ist gestorben.

14,6 Und deine Magd hatte zwei Söhne, die zankten miteinander auf dem Felde, und weil keiner da war, der zwischen ihnen schlichtete, schlug der eine seinen Bruder nieder und tötete ihn.

14,7 Und siehe, nun steht die ganze Sippe auf gegen deine Magd, und sie sagen: Gib den her, der seinen Bruder erschlagen hat, damit wir ihn töten für das Leben seines Bruders, den er umgebracht hat; so wollen sie auch den Erben vertilgen und den Funken auslöschen, der mir noch übriggeblieben ist, so daß meinem Mann kein Name und kein Nachkomme bleibt auf Erden.

14,8 Der König sprach zu der Frau: Geh heim, ich will die Sache für dich ordnen.

14,9 Und die Frau aus Tekoa sprach zum König: Mein Herr und König, die Schuld wird man auf mich und meines Vaters Haus legen, den König aber und seinen Thron ohne Schuld sein lassen.

14,10 Der König sprach: Wer gegen dich redet, den bringe zu mir; er soll dich nicht mehr antasten.

14,11 Sie sprach: Der König möge doch den Namen Haschem, seines Haschem, nennen, damit der Bluträcher nicht noch mehr Verderben anrichte und sie meinen Sohn nicht vertilgen. Er sprach: So wahr Haschem lebt: es soll kein Haar von deinem Sohn auf die Erde fallen.

14,12 Und die Frau sprach: Laß deine Magd meinem Herrn und König etwas sagen. Er sprach: Sage an!

14,13 Die Frau sprach: Warum bist du so gesinnt gegen Haschem Volk? Denn da der König nun ein solches Urteil gefällt hat, ist er wie ein Schuldiger, wenn er den nicht zurückholen läßt, den er verstoßen hat.

14,14 Denn wir sterben des Todes und sind wie Wasser, das auf die Erde gegossen wird und das man nicht wieder sammeln kann; aber Haschem will nicht das Leben wegnehmen, sondern er ist darauf bedacht, daß das Verstoßene nicht auch von ihm verstoßen werde.

14,15 So bin ich nun gekommen, mit meinem Herrn und König solches zu reden; denn das Volk macht mir angst. Deine Magd dachte: Ich will mit dem König reden; vielleicht wird er tun, was seine Magd sagt.

14,16 Denn der König wird seine Magd erhören, daß er mich errette aus der Hand aller, die mich samt meinem Sohn vertilgen wollen vom Erbe Haschem.

14,17 Und deine Magd dachte: Meines Herrn, des Königs, Wort soll mir ein Trost sein; denn mein Herr, der König, ist wie der Malach Haschem's, daß er Gutes und Böses unterscheiden kann. Haschem, möge mit dir sein!

14,18 Der König antwortete und sprach zu der Frau: Verhehle mir nicht, was ich dich frage. Die Frau sprach: Mein Herr, der König, rede!

14,19 Der König sprach: Ist nicht die Hand Yoabs mit dir in alledem? Die Frau antwortete: So wahr du lebst, mein Herr und König: man kann nicht vorüber an dem, was mein Herr und König geredet hat, weder zur Rechten noch zur Linken. Ja, dein Knecht Yoab hat mir's geboten, und er hat alle diese Worte deiner Magd in den Mund gelegt.

14,20 Daß ich diese Sache so wenden sollte, das hat dein Knecht Yoab gemacht. Aber mein Herr gleicht an Weisheit dem Malach Haschem's, so daß er alles weiß, was auf Erden geschieht.

14,21 Da sprach der König zu Yoab: Siehe, ich will es tun; so geh hin und bringe meinen Sohn Absalom zurück.

14,22 Da fiel Yoab auf sein Antlitz zur Erde, huldigte und dankte dem König und sprach: Heute erkennt dein Knecht, daß ich Gnade gefunden habe vor deinen Augen, mein Herr und König, da der König tut, was sein Knecht sagt.

14,23 So machte sich Yoab auf und zog nach Geschur und brachte Absalom nach Jerusalem.

14,24 Aber der König sprach: Laß ihn wieder in sein Haus gehen, doch mein Angesicht soll er nicht sehen. So kam Absalom wieder in sein Haus, doch des Königs Angesicht sah er nicht.

14,25 Es war aber in ganz Israel kein Mann so schön wie Absalom, und er hatte dieses Lob vor allen; von der Fußsohle bis zum Scheitel war nicht ein Fehl an ihm.

14,26 Und wenn man sein Haupt schor - das geschah alle Jahre, denn es war ihm zu schwer, so daß man es abscheren mußte -, so wog sein Haupthaar zweihundert Lot nach dem königlichen Gewicht.

14,27 Und Absalom wurden drei Söhne geboren und eine Tochter, die hieß Tamar, und sie war ein schönes Mädchen.

14,28 Und Absalom wohnte zwei Jahre in Jerusalem, ohne des Königs Angesicht zu sehen.

14,29 Und Absalom sandte zu Yoab, um ihn zum König zu senden; aber Yoab wollte nicht zu ihm kommen. Er aber sandte zum zweitenmal; aber er wollte immer noch nicht kommen.

14,30 Da sprach er zu seinen Knechten: Seht das Stück Acker Yoabs neben meinem; er hat Gerste darauf. So geht hin und steckt's in Brand. Da steckten die Knechte Absaloms das Stück in Brand.

14,31 Da machte sich Yoab auf und kam zu Absalom ins Haus und sprach zu ihm: Warum haben deine Knechte mein Feld in Brand gesteckt?

14,32 Absalom sprach zu Yoab: Siehe, ich sandte zu dir und ließ dir sagen: Komm her, damit ich dich zum König sende und fragen lasse: Warum bin ich von Geschur hierher gekommen? Es wäre mir besser, daß ich noch dort wäre. So laß mich nun das Angesicht des Königs sehen; liegt aber eine Schuld auf mir, so soll er mich töten.

14,33 Und Yoab ging hinein zum König und sagte es ihm an. Und er rief Absalom, daß er hinein zum König kam; und er fiel nieder vor dem König auf sein Antlitz zur Erde, und der König küßte Absalom.

15. Kapitel

15,1 Und es begab sich danach, daß Absalom sich einen Wagen anschaffte und Rosse und fünfzig Mann, die seine Leibwache waren.

15,2 Auch machte sich Absalom des Morgens auf und trat an den Weg bei dem Tor. Und wenn jemand einen Rechtshandel hatte und deshalb zum König vor Gericht gehen wollte, rief ihn Absalom zu sich und sprach: Aus welcher Stadt bist du? Wenn der dann sprach: Dein Knecht ist aus dem und dem Stamm Israels,

15,3 so sprach Absalom zu ihm: Siehe, deine Sache ist gut und recht; aber du hast keinen beim König, der dich hört.

15,4 Und Absalom sprach: Oh, wer setzt mich zum Richter im Lande, daß jedermann zu mir käme, der eine Sache und Gerichtshandel hat, damit ich ihm zum Recht hülfe!

15,5 Und wenn jemand ihm nahte und vor ihm niederfallen wollte, so streckte er seine Hand aus und ergriff ihn und küßte ihn.

15,6 Auf diese Weise tat Absalom mit ganz Israel, wenn sie vor Gericht kamen zum König. So stahl Absalom das Herz der Männer Israels.

15,7 Nach vier Jahren sprach Absalom zum König: Ich will hingehen und mein Gelübde in Hebron erfüllen, das ich Haschem gelobt habe.

15,8 Denn dein Knecht hat ein Gelübde getan, als ich in Geschur in Aram wohnte, und gesprochen: Wenn mich Haschem nach Jerusalem zurückbringt, so will ich Haschem dienen.

15,9 Der König sprach zu ihm: Geh hin mit Frieden! Und er machte sich auf und ging nach Hebron.

15,10 Absalom aber hatte heimlich Boten ausgesandt in alle Stämme Israels und sagen lassen: Wenn ihr den Schall der Posaune hört, so ruft: Absalom ist König geworden zu Hebron.

15,11 Es gingen aber mit Absalom zweihundert Mann von Jerusalem, die geladen waren, und sie gingen ohne Argwohn und wußten nichts von der Sache.

15,12 Als aber Absalom die Opfer darbrachte, sandte er auch zu aAhitofel, dem Giloniter, Dawids Ratgeber, und ließ ihn holen aus seiner Stadt Gilo. Und die Verschwörung wurde stark, und es sammelte sich immer mehr Volk um Absalom.

15,13 Da kam einer, der sagte es Dawid an und sprach: Jedermanns Herz in Israel hat sich Absalom zugewandt.

15,14 Dawid aber sprach zu allen seinen Großen, die bei ihm in Jerusalem waren: Auf, laßt uns fliehen! Denn hier wird kein Entrinnen sein vor Absalom. Eilt, daß wir gehen, damit er uns nicht einholt und uns ergreift und Unglück über uns bringt und die Stadt schlägt mit der Schärfe des Schwerts.

15,15 Da sprachen die Großen des Königs zu ihm: Ganz wie unser Herr und König will; siehe, wir sind deine Knechte.

15,16 Und der König zog hinaus und sein ganzes Haus ihm nach. Der König aber ließ zehn Nebenfrauen zurück, um das Haus zu bewahren.

15,17 Und als der König und alles Volk, das ihm nachfolgte, hinauskamen, blieben sie stehen beim letzten Hause.

15,18 Und alle seine Großen blieben an seiner Seite; aber alle Kreter und Pleter, auch alle Gatiter, sechshundert Mann, die von Gat ihm nachgefolgt waren, zogen an dem König vorüber.

15,19 Und der König sprach zu Ittai, dem Gatiter: Warum gehst auch du mit uns? Kehre um und bleibe bei dem neuen König, denn du bist ein Ausländer und von deiner Heimat hierher gezogen.

15,20 Gestern bist du gekommen, und heute sollte ich dich mit uns hin- und herziehen lassen? Denn ich muß gehen, wohin ich gehen kann. Kehre um und nimm deine Brüder mit dir; dir widerfahre Barmherzigkeit und Treue.

15,21 Ittai antwortete dem König und sprach: So wahr Haschem lebt, und so wahr mein Herr und König lebt: wo immer mein Herr, der König, ist, es gerate zum Tod oder zum Leben, da wird dein Knecht auch sein.

15,22 Dawid sprach zu Ittai: So komm und zieh vorüber! Da zog Ittai, der Gatiter, vorüber, und alle seine Männer und der ganze Haufe von Frauen und Kindern, die bei ihm waren.

15,23 Und das ganze Land weinte mit lauter Stimme, während das ganze Kriegsvolk vorüberzog. Und der König ging über den Bach Kidron, und das ganze Kriegsvolk zog weiter auf dem Wege, der zur Wüste geht.

15,24 Und siehe, Zadok war auch da und alle Leviten, die bei ihm waren, und sie trugen die Lade Haschem des Bundes und stellten sie nieder. Und Abjatar brachte Opfer dar, bis das ganze Kriegsvolk aus der Stadt vorübergezogen war.

15,25 Aber der König sprach zu Zadok: Bringe die Lade Haschem in die Stadt zurück. Werde ich Gnade finden vor Haschem, so wird er mich zurückbringen, daß ich sie und ihre Stätte wiedersehe.

15,26 Spricht er aber: Ich habe kein Wohlgefallen an dir - siehe, hier bin ich. Er mach's mit mir, wie es ihm wohlgefällt.

15,27 Und der König sprach zu dem Priester Zadok: Wohlan, du und Abjatar, kehrt zurück in die Stadt mit Frieden und mit euch eure beiden Söhne, Ahimaaz, dein Sohn, und Yonathan, der Sohn Abjatars!

15,28 Siehe, ich will warten bei den Furten in der Wüste, bis von euch Botschaft zu mir kommt.

15,29 So brachten Zadok und Abjatar die Lade Haschem zurück nach Jerusalem und blieben dort.

15,30 Dawid aber ging den Ölberg hinan und weinte, und sein Haupt war verhüllt, und er ging barfuß. Auch alle vom Volk, die bei ihm waren, hatten ihr Haupt verhüllt und gingen hinan und weinten.

15,31 Und als Dawid gesagt wurde, daß Ahitofel im Bund mit Absalom sei, sprach er: Haschem, mache den Ratschlag Ahitofels zur Torheit!

15,32 Und als Dawid auf die Höhe kam, wo man Haschem anzubeten pflegte, siehe, da begegnete ihm Huschai, der Arkiter, mit zerrissenem Rock und Erde auf seinem Haupt.

15,33 Und Dawid sprach zu ihm: Wenn du mit mir gehst, wirst du mir eine Last sein.

15,34 Wenn du aber in die Stadt zurückkehrst und zu Absalom sprichst: Ich will dein Knecht sein, König; wie ich zuvor deines Vaters Knecht war, will ich nun dein Knecht sein -, so könntest du mir zugut den Ratschlag Ahitofels zunichte machen.

15,35 Auch sind die Priester Zadok und Abjatar mit dir. Alles, was du hörst aus des Königs Hause, sollst du den Priestern Zadok und Abjatar sagen.

15,36 Siehe, es sind bei ihnen ihre beiden Söhne: Ahimaaz, Zadoks Sohn, und Yonathan, Abjatars Sohn. Durch die könnt ihr mir alles zukommen lassen, was ihr hören werdet.

15,37 So kam Huschai, der Freund Dawids, in die Stadt. Und Absalom zog in Yahrushalyim ein.

16. Kapitel

16,1 Und als Dawid ein wenig über die Höhe hinabgegangen war, siehe, da begegnete ihm Ziba, der Knecht Mefi- Boschets, mit einem Paar gesattelter Esel; darauf waren zweihundert Brote und hundert Rosinenkuchen und hundert frische Früchte und ein Schlauch Wein.

16,2 Da sprach der König zu Ziba: Was willst du damit machen? Ziba sprach: Die Esel sollen für das Haus des Königs sein, um darauf zu reiten, und die Brote und die Früchte sind für die Leute zum Essen und der Wein zum Trinken, wenn sie müde werden in der Wüste.

16,3 Der König sprach: Wo ist der Sohn deines Herrn? Ziba sprach zum König: Siehe, er blieb in Jerusalem; denn er denkt: Heute wird mir das Haus Israel meines Vaters Königtum zurückgeben.

16,4 Der König sprach zu Ziba: Siehe, es soll dein sein alles, was Mefi-Boschet hat. Ziba sprach: Ich neige mich; laß mich auch ferner Gnade finden vor dir, mein Herr und König.

16,5 Als aber der König Dawid nach Bahurim kam, siehe, da kam ein Mann von dort heraus, vom Geschlecht des Hauses Saul, der hieß Schimi, der Sohn Geras; der kam heraus und fluchte

16,6 und warf mit Steinen nach Dawid und allen Großen des Königs Dawid, obwohl das ganze Kriegsvolk und alle seine Helden zu seiner Rechten und Linken waren.

16,7 So aber rief Schimi, als er fluchte: Hinaus, hinaus, du Bluthund, du ruchloser Mann!

16,8 Haschem hat über dich gebracht alles Blut des Hauses Sauls, an dessen Statt du König geworden bist. Jetzt hat Haschem das Königtum gegeben in die Hand deines Sohnes Absalom; und siehe, nun steckst du in deinem Unglück, denn du bist ein Bluthund.

16,9 Aber Abischai, der Sohn der Zeruja, sprach zu dem König: Sollte dieser tote Hund meinem Herrn, dem König, fluchen dürfen? Ich will hingehen und ihm den Kopf abhauen.

16,10 Der König sprach: Ihr Söhne der Zeruja, was hab ich mit euch zu schaffen? Laßt ihn fluchen; denn Haschem hat ihm geboten: Fluche Dawid! Wer darf dann sagen: Warum tust du das?

16,11 Und Dawid sprach zu Abischai und zu allen seinen Großen: Siehe, mein Sohn, der von meinem Leibe gekommen ist, trachtet mir nach dem Leben; warum nicht auch jetzt der Benjaminiter? Laßt ihn ruhig fluchen, denn Haschem hat's ihm geboten.

16,12 Vielleicht wird Haschem mein Elend ansehen und mir mit Gutem vergelten sein heutiges Fluchen.

16,13 So ging Dawid mit seinen Leuten des Weges; aber Schimi ging am Hang des Berges entlang, ihm gegenüber, und fluchte und warf mit Steinen nach ihm und bewarf ihn mit Erdklumpen.

16,14 Und der König kam mit allem Volk, das bei ihm war, müde an den Jordan und ruhte dort aus.

16,15 Aber Absalom und alles Volk, die Männer Israels, kamen nach Jerusalem und Ahitofel mit ihm.

16,16 Als aber Huschai, der Arkiter, Dawids Freund, zu Absalom hineinkam, rief er Absalom zu: Es lebe der König! Es lebe der König!

16,17 Absalom aber sprach zu Huschai: Ist das deine Liebe zu deinem Freunde? Warum bist du nicht mit deinem Freunde gezogen?

16,18 Huschai aber sprach zu Absalom: Nein! sondern wen Haschem erwählt und dies Volk und alle Männer in Israel, zu dem gehöre ich und bei dem will ich bleiben.

16,19 Zum andern, wem diene ich? Ist es nicht sein Sohn, dem ich diene? Wie ich deinem Vater gedient habe, so will ich auch vor dir sein.

16,20 Und Absalom sprach zu Ahitofel: Gebt euren Rat, was sollen wir tun?

16,21 Ahitofel sprach zu Absalom: Geh ein zu den Nebenfrauen deines Vaters, die er zurückgelassen hat, um das Haus zu bewahren, so wird ganz Israel hören, daß du dich bei deinem Vater in Verruf gebracht hast; dann werden alle, die zu dir stehen, desto kühner werden.

16,22 Da machten sie Absalom ein Zelt auf dem Dach, und Absalom ging zu den Nebenfrauen seines Vaters vor den Augen ganz Israels.

16,23 Wenn damals Ahitofel einen Rat gab, dann war das, als wenn man Haschem um etwas befragt hätte; so viel galten alle Ratschläge.

17. Kapitel

17,1 Und Ahitofel sprach zu Absalom: Ich will zwölftausend Mann auswählen und mich aufmachen und Dawid nachjagen in dieser Nacht

17,2 und will ihn überfallen, solange er matt und verzagt ist. Wenn ich ihn dann erschrecke und das ganze Kriegsvolk, das bei ihm ist, flieht, will ich den König allein erschlagen

17,3 und das ganze Kriegsvolk zu dir zurückbringen, wie die junge Frau zu ihrem Mann zurückkehrt. Du trachtest ja nur einem Mann nach dem Leben, aber das ganze Volk soll in Frieden bleiben.

17,4 Die Rede gefiel Absalom gut und allen Ältesten in Israel.

17,5 Aber Absalom sprach: Laßt doch auch Huschai, den Arkiter, rufen und hören, was er dazu sagt.

17,6 Und als Huschai hinein zu Absalom kam, sprach Absalom zu ihm: Das und das hat Ahitofel geredet; sage du, sollen wir's tun oder nicht?

17,7 Da sprach Huschai zu Absalom: Es ist kein guter Rat, den Ahitofel diesmal gegeben hat.

17,8 Und Huschai sprach weiter: Du kennst deinen Vater und seine Leute, daß sie stark sind und zornigen Gemüts wie eine Bärin auf dem Felde, der die Jungen geraubt sind. Dazu ist dein Vater ein Kriegsmann und wird seinen Leuten keine Nachtruhe gönnen.

17,9 Siehe, er hat sich jetzt vielleicht verkrochen in irgendeiner Schlucht oder sonst einem Versteck. Wenn's dann geschähe, daß gleich zu Anfang einige unter ihnen fallen, und es käme das Gerücht auf: Das Heer, das Absalom nachfolgt, ist geschlagen worden,

17,10 so würde jedermann verzagt werden, auch wenn er ein Krieger ist und ein Herz hat wie ein Löwe. Denn es weiß ganz Israel, daß dein Vater ein Held ist und seine Leute tapfere Krieger sind.

17,11 Darum rate ich, daß du zu dir versammelst ganz Israel von Dan bis Beerscheba, so viel wie der Sand am Meer, und daß du selbst mit ihnen ziehst.

17,12 So wollen wir ihn überfallen, wo wir ihn finden, und wollen über ihn kommen, wie der Tau auf die Erde fällt, daß wir von ihm und allen seinen Männern nicht einen einzigen übrig lassen.

17,13 Zieht er sich aber in eine Stadt zurück, so soll ganz Israel Stricke an die Stadt legen und sie ins Tal schleifen, so daß man nicht einen Stein mehr dort finde.

17,14 Da sprachen Absalom und jedermann in Israel: Der Rat Huschais, des Arkiters, ist besser als Ahitofels Rat. So schickte es Haschem, daß der kluge Rat Ahitofels verhindert wurde, damit Haschem Unglück über Absalom brächte.

17,15 Und Huschai sprach zu den Priestern Zadok und Abjatar: So und so hat Ahitofel Absalom und den Ältesten in Israel geraten, ich aber habe so und so geraten.

17,16 So sendet nun eilends hin und laßt Dawid sagen: Bleibe nicht über Nacht an den Furten der Wüste, sondern geh gleich hinüber, damit der König nicht vernichtet werde und das ganze Volk, das bei ihm ist.

17,17 Yonathan aber und Ahimaaz standen bei der Quelle Rogel; und eine Magd ging von Zeit zu Zeit hin und brachte ihnen Nachricht, die sie dem König Dawid weitersagten; denn sie durften sich in der Stadt nicht sehen lassen.

17,18 Es sah sie aber ein Knabe und sagte es Absalom an. Da gingen die beiden eilends fort und kamen in das Haus eines Mannes in Bahurim; der hatte einen Brunnen in seinem Hofe. Dahinein stiegen sie.

17,19 Und die Frau nahm eine Decke und breitete sie über das Brunnenloch und schüttete Körner darüber, so daß man nichts merkte.

17,20 Als nun die Leute Absaloms zu der Frau ins Haus kamen, sprachen sie: Wo sind Ahimaaz und Yonathan? Sie sprach zu ihnen: Sie gingen weiter zum Wasser. Und als die Leute Absaloms sie suchten und nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück.

17,21 Und als sie weg waren, stiegen jene aus dem Brunnen und gingen hin und sagten's dem König Dawid an und sprachen zu Dawid: Macht euch auf und geht eilends über den Fluß, denn Ahitofel hat gegen euch den und den Rat gegeben.

17,22 Da machte sich Dawid auf und das ganze Volk, das bei ihm war, und sie gingen über den Jordan, und als es lichter Morgen wurde, fehlte nicht ein einziger, der nicht über den Jordan gegangen war.

17,23 Als aber Ahitofel sah, daß sein Rat nicht ausgeführt wurde, sattelte er seinen Esel, machte sich auf und zog heim in seine Stadt und bestellte sein Haus und erhängte sich und starb und wurde begraben in seines Vaters Grab.

17,24 Und Dawid kam nach Mahanajim. Aber Absalom zog über den Jordan und alle Männer Israels mit ihm.

17,25 Und Absalom hatte aAmasa an Yoabs Statt über das Heer gesetzt. Amasa aber war der Sohn eines Mannes mit Namen Jeter, eines Israeliters, der zu Abigal, der Tochter des Nahasch, eingegangen war; diese war eine Schwester der Zeruja, Yoabs Mutter.

17,26 Israel aber und Absalom lagerten sich in Gilead.

17,27 Als Dawid nach Mahanajim gekommen war, da brachten Schobi, der Sohn des Nahasch von Rabba, der Stadt der Ammoniter, und Machir, der Soh Ammïls von Lo-Dabar, und Barsillai, ein Gileaditer von Roglim,

17,28 Betten, Becken, irdene Gefäße, Weizen, Gerste, Mehl, geröstete Körner, Bohnen, Linsen,

17,29 Honig, Butter, Kuh- und Schafkäse, um Dawid und das Volk, das bei ihm war, zu stärken. Denn sie dachten: Das Volk wird hungrig, müde und durstig geworden sein in der Wüste.

18. Kapitel

18,1 Und Dawid ordnete das Kriegsvolk, das bei ihm war, und setzte über sie Hauptleute über tausend und über hundert

18,2 und stellte ein Drittel des Volks unter Yoab und ein Drittel unter Abischai, den Sohn der Zeruja, Yoabs Bruder, und ein Drittel unter Ittai, den Gatiter. Und der König sprach zum Kriegsvolk: Ich will auch mit euch ausziehen.

18,3 Aber das Kriegsvolk sprach: Du sollst nicht ausziehen, denn wenn wir fliehen oder die Hälfte von uns stirbt, so werden sie unser nicht achten; aber du bist wie zehntausend von uns. So ist's nun besser, daß du uns von der Stadt aus helfen kannst.

18,4 Der König sprach zu ihnen: Was euch gefällt, das will ich tun. Und der König trat ans Tor, und das ganze Kriegsvolk zog aus zu hundert und zu tausend.

18,5 Und der König gebot Yoab und Abischai und Ittai und sprach: Verfahrt mir schonend mit meinem Sohn Absalom! Und das ganze Kriegsvolk hörte es, als der König allen Hauptleuten Absaloms wegen diesen Befehl gab.

18,6 Und als das Heer hinauskam aufs Feld Israel entgegen, kam es zum Kampf im Walde Ephraim.

18,7 Und das Heer Israels wurde dort geschlagen von den Männern Dawids, so daß an diesem Tag eine große Schlacht geschah - zwanzigtausend Mann.

18,8 Und der Kampf breitete sich dort aus über die ganze Gegend, und der Wald fraß an diesem Tage viel mehr Volk, als das Schwert fraß.

18,9 Und Absalom begegnete den Männern Dawids und ritt auf einem Maultier. Und als das Maultier unter eine große Eiche mit dichten Zweigen kam, blieb sein Haupt an der Eiche hängen, und er schwebte zwischen Himmel und Erde; denn sein Maultier lief unter ihm weg.

18,10 Als das ein Mann sah, tat er's Yoab kund und sprach: Siehe, ich sah Absalom an einer Eiche hängen.

18,11 Und Yoab sprach zu dem Mann, der's ihm kundgetan hatte: Wenn du das gesehen hast, warum schlugst du ihn nicht gleich zu Boden? So hätte ich dir zehn Silberstücke und einen Gürtel gegeben.

18,12 Der Mann sprach zu Yoab: Wenn du mir tausend Silberstücke in meine Hand gewogen hättest, so hätte ich dennoch meine Hand nicht an des Königs Sohn gelegt; denn der König gebot dir und Abischai und Ittai vor unsern Ohren: Gebt ja acht auf meinen Sohn Absalom!

18,13 Oder wenn ich etwas Falsches getan hätte unter Lebensgefahr, würdest du selbst dich gegen mich stellen, weil dem König ja nichts verborgen bleibt.

18,14 Yoab sprach: Ich kann nicht so lange bei dir verweilen. Da nahm Yoab drei Stäbe in seine Hand und stieß sie Absalom ins Herz, als er noch lebend an der Eiche hing.

18,15 Und zehn Knappen, Yoabs Waffenträger, umringten ihn und schlugen ihn tot.

18,16 Da ließ Yoab die Posaune blasen, und das Volk jagte Israel nicht weiter nach; denn Yoab gebot dem Volk Halt.

18,17 Und sie nahmen Absalom und warfen ihn im Wald in eine große Grube und legten einen sehr großen Haufen Steine auf ihn. Und ganz Israel floh, ein jeder in sein Zelt.

18,18 Absalom aber hatte sich eine Säule aufgerichtet, als er noch lebte; die steht im Königsgrund. Denn er sprach: Ich habe keinen Sohn, der meinen Namen lebendig erhält. Und er nannte die Säule nach seinem Namen, und sie heißt auch bis auf diesen Tag «Absaloms Mal».

18,19 Ahimaaz, der Sohn Zadoks, sprach: Laß mich doch laufen und dem König die gute Botschaft bringen, daß Haschem ihm Recht verschafft hat gegen seine Feinde.

18,20 Yoab aber sprach zu ihm: Du bist heute nicht der Mann für eine gute Botschaft. An einem andern Tag darfst du eine Botschaft bringen, aber heute nicht; denn des Königs Sohn ist tot.

18,21 Und Yoab befahl dem Mohren: Geh hin und sage dem König an, was du gesehen hast. Und der Mohr neigte sich vor Yoab und lief hin.

18,22 Ahimaaz aber, der Sohn Zadoks, sprach abermals zu Yoab: Komme, was da will, ich möchte auch laufen, dem Mohren nach. Yoab sprach: Was willst du laufen, mein Sohn? Du hast keine gute Botschaft zu bringen.

18,23 Ahimaaz sprach: Komme, was da will, ich laufe. Er sprach zu ihm: So lauf! Da lief Ahimaaz auf dem Weg durchs Jordantal und kam dem Mohren zuvor.

18,24 Dawid aber saß zwischen den beiden Toren. Und der Wächter ging aufs Dach des Tores an der Mauer und hob seine Augen auf und sah einen Mann laufen allein

18,25 und rief und sagte es dem König an. Der König aber sprach: Ist er allein, so ist eine gute Botschaft in seinem Munde. Und als der Mann immer näher kam,

18,26 sah der Wächter einen zweiten Mann laufen und rief in das Tor: Siehe, da kommt noch ein Mann allein. Der König aber sprach: Der ist auch ein guter Bote.

18,27 Der Wächter sprach: Ich sehe den ersten laufen, wie Ahimaaz, der Sohn Zadoks, läuft. Und der König sprach: Es ist ein guter Mann und bringt eine gute Botschaft.

18,28 Ahimaaz aber rief und sprach zum König: Friede! Und er fiel nieder vor dem König auf sein Antlitz zur Erde und sprach: Gelobt sei Haschem, der die Leute dahingegeben hat, die ihre Hand gegen meinen Herrn, den König, erhoben haben.

18,29 Der König aber sprach: Geht es auch meinem Sohn Absalom gut? Ahimaaz sprach: Ich sah ein großes Getümmel, als Yoab des Königs Knecht und mich, deinen Knecht, sandte, aber ich weiß nicht, was es war.

18,30 Der König sprach: Tritt zur Seite und stell dich dahin. Und er trat zur Seite und blieb stehen.

18,31 Siehe, da kam der Mohr und sprach: Hier gute Botschaft, mein Herr und König! Haschem hat dir heute Recht verschafft gegen alle, die sich gegen dich auflehnten.

18,32 Der König aber sprach zu dem Mohren: Geht es meinem Sohn Absalom auch gut? Der Mohr sprach: Es müsse den Feinden meines Herrn, des Königs, ergehen, wie es dem jungen Mann ergangen ist, und auch allen, die sich böswillig gegen dich auflehnen.

19. Kapitel

19,1 Da erbebte der König und ging hinauf in das Obergemach des Tores und weinte, und im Gehen rief er: Mein Sohn Absalom! Mein Sohn, mein Sohn Absalom! Wollte Haschem, ich wäre für dich gestorben! O Absalom, mein Sohn, mein Sohn!

19,2 Und es wurde Yoab angesagt: Siehe, der König weint und trägt Leid um Absalom.

19,3 So wurde aus dem Sieg an diesem Tag eine Trauer unter dem ganzen Kriegsvolk; denn das Volk hatte an diesem Tage gehört, daß sich der König um seinen Sohn gräme.

19,4 Und das Kriegsvolk stahl sich weg an diesem Tage in die Stadt, wie sich Kriegsvolk wegstiehlt, das sich schämen muß, weil es im Kampf geflohen ist.

19,5 Der König aber hatte sein Angesicht verhüllt und schrie laut: Ach, mein Sohn Absalom! Absalom, mein Sohn, mein Sohn!

19,6 Yoab aber kam zum König ins Haus und sprach: Du hast heute schamrot gemacht alle deine Knechte, die dir heute das Leben gerettet haben und deinen Söhnen, deinen Töchtern, deinen Frauen und Nebenfrauen,

19,7 weil du lieb hast, die dich hassen, und hassest, die dich lieb haben. Denn du läßt heute merken, daß dir nichts gelegen ist an den Obersten und Kriegsleuten. Ja, ich merke heute wohl: wenn nur Absalom lebte und wir heute alle tot wären, das wäre dir recht.

19,8 So mache dich nun auf und komm heraus und rede mit deinen Knechten freundlich. Denn ich schwöre dir bei Haschem: Wirst du nicht herauskommen, so wird kein Mann bei dir bleiben diese Nacht. Das wird für dich ärger sein als alles Übel, das über dich gekommen ist von deiner Jugend auf bis hierher.

19,9 Da stand der König auf und setzte sich ins Tor. Und man sagte es allem Kriegsvolk: Siehe, der König sitzt im Tor. Da kam alles Volk vor den König. Als Israel geflohen war, ein jeder in sein Zelt,

19,10 stritt sich alles Volk in allen Stämmen Israels, und sie sprachen: Der König hat uns errettet aus der Hand unserer Feinde und uns erlöst aus der Hand der Philister und hat jetzt aus dem Lande fliehen müssen vor Absalom.

19,11 Aber Absalom, den wir über uns gesalbt hatten, ist gefallen im Kampf. Warum seid ihr nun so still und holt den König nicht wieder zurück?

19,12 Es kam aber die Rede ganz Israels vor den König. Und der König sandte zu den Priestern Zadok und Abjatar und ließ ihnen sagen: Redet mit den Ältesten in Yahuda und sprecht: Warum wollt ihr die Letzten sein, den König zurückzuholen in sein Haus?

19,13 Ihr seid meine Brüder, von meinem Gebein und Fleisch; warum wollt ihr denn die Letzten sein, den König zurückzuholen?

19,14 Und zu aAmasa sprecht: Bist du nicht von meinem Gebein und Fleisch? Haschem tue mir dies und das, wenn du nicht Feldhauptmann sein sollst vor mir dein Leben lang an Yoabs Statt.

19,15 Und er wandte das Herz aller Männer Yahudas wie eines Mannes Herz, und sie sandten hin zum König: Komm zurück, du und alle deine Leute!

19,16 So kam der König zurück. Und als er an den Jordan kam, waren die Männer Yahudas nach Gilgal gekommen, um dem König entgegenzuziehen und den König über den Jordan zu führen.

19,17 Und Schimi, der Sohn Geras, der Benjaminiter, der in Bahurim wohnte, zog eilends mit den Männern von Yahuda hinab dem König Dawid entgegen

19,18 und mit ihm tausend Mann von Benjamin, dazu auch Ziba, der Knecht des Hauses Saul, mit seinen fünfzehn Söhnen und zwanzig Knechten, und sie gingen durch den Jordan, bevor der König kam,

19,19 und machten eine Furt durch den Jordan, damit sie das Haus des Königs hinüberführten und täten, was ihm gefiele. Schimi aber, der Sohn Geras, fiel vor dem König nieder, als dieser über den Jordan gehen wollte,

19,20 und sprach zum König: Mein Herr rechne es mir nicht als Schuld an und denke nicht mehr daran, daß dein Knecht sich an dir vergangen hat an dem Tage, da mein Herr, der König, aus Jerusalem ging, und der König nehme es nicht zu Herzen.

19,21 Denn dein Knecht erkennt, daß ich gesündigt habe. Und siehe, ich bin heute als erster vom ganzen Hause Josef gekommen, daß ich meinem Herrn, dem König, entgegenzöge.

19,22 Aber Abischai, der Sohn der Zeruja, hob an und sprach: Sollte Schimi nicht sterben, da er doch dem Gesalbten Haschem geflucht hat?

19,23 Dawid aber sprach: Was hab ich mit euch zu schaffen, ihr Söhne der Zeruja, daß ihr mir heute zum Satan werden wollt? Sollte heute jemand sterben in Israel? Meinst du, ich wisse nicht, daß ich heute wieder König über Israel geworden bin?

19,24 Und der König sprach zu Schimi: Du sollst nicht sterben. Und der König schwor es ihm.

19,25 Mefi-Boschet, der Enkel Sauls, kam auch herab, dem König entgegen. Und er hatte seine Füße und seinen Bart nicht gereinigt und seine Kleider nicht gewaschen von dem Tage an, da der König weggegangen war, bis zu dem Tag, da er wohlbehalten zurückkäme.

19,26 Als er nun von Jerusalem kam, dem König zu begegnen, sprach der König zu ihm: Warum bist du nicht mit mir gezogen, Mefi-Boschet?

19,27 Und er sprach: Mein Herr und König, mein Knecht hat mich betrogen. Dein Knecht dachte: Ich will einen Esel satteln und darauf reiten und zum König ziehen, denn dein Knecht ist lahm.

19,28 Dazu hat er deinen Knecht verleumdet vor meinem Herrn, dem König. Aber mein Herr, der König, ist wie der Malach Haschem; tu, was dir wohlgefällt.

19,29 Meines Vaters ganzes Haus hätte ja den Tod erleiden müssen von meinem Herrn, dem König; du aber hast deinen Knecht gesetzt unter die, die an deinem Tisch essen. Was hab ich weiter für Recht oder Anspruch, zum König um Hilfe zu schreien?

19,30 Der König sprach zu ihm: Was redest du noch weiter? Nun bestimme ich: Du und Ziba, teilt den Besitz miteinander.

19,31 Mefi-Boschet sprach zum König: Er nehme ihn auch ganz, nachdem mein Herr und König wohlbehalten heimgekommen ist.

19,32 Und Barsillai, der Gileaditer, kam herab von Roglim und zog mit dem König an den Jordan, um ihn über den Jordan zu geleiten.

19,33 Und Barsillai war sehr alt, wohl achtzig Jahre. Er hatte den König versorgt, als er in Mahanajim war; denn er war ein Mann von großem Vermögen.

19,34 Und der König sprach zu Barsillai: Du sollst mit mir ziehen, ich will dich versorgen bei mir in Jerusalem.

19,35 Aber Barsillai sprach zum König: Was ist's noch, das ich zu leben habe, daß ich mit dem König hinaufziehen sollte nach Yahrushalayim?

19,36 Ich bin heute achtzig Jahre alt. Wie kann ich noch unterscheiden, was gut und schlecht ist, oder schmecken, was ich esse und trinke, oder hören, was die Sänger und Sängerinnen singen? Warum sollte dein Knecht meinen Herrn, den König, noch beschweren?

19,37 Dein Knecht wird ein kleines Stück mit dem König über den Jordan gehen. Warum will mir der König so reichlich vergelten?

19,38 Laß deinen Knecht umkehren, daß ich sterbe in meiner Stadt bei meines Vaters und meiner Mutter Grab. Siehe, da ist dein Knecht Kimham, den laß mit meinem Herrn, dem König, ziehen und tu ihm, was dir wohlgefällt.

19,39 Der König sprach: Kimham soll mit mir ziehen, und ich will ihm tun, was dir wohlgefällt; auch alles, was du von mir begehrst, will ich dir tun.

19,40 Und als das ganze Volk über den Jordan gegangen war und der König auch, küßte der König den Barsillai und segnete ihn. Und er kehrte zurück in seine Heimat.

19,41 Und der König zog weiter nach Gilgal, und Kimham zog mit ihm. Und das ganze Volk von Yahuda hatte den König hinübergeführt und auch die Hälfte des Volks von Israel.

19,42 Und siehe, da kamen alle Männer von Israel zum König und sprachen zu ihm: Warum haben dich unsere Brüder, die Männer von Yahuda, gestohlen und haben den König und sein Haus über den Jordan gebracht und alle Männer Dawids mit ihm?

19,43 Da antworteten alle Männer von Yahuda denen von Israel: Der König steht uns doch näher; warum zürnt ihr darüber? Meint ihr, daß wir etwa ein Stück vom König aufgegessen oder ihn für uns weggeschleppt hätten?

19,44 Aber es antworteten die von Israel denen von Yahuda: Wir haben zehnfachen Anteil am König und sind auch die Erstgeborenen vor euch. Warum habt ihr uns denn so gering geachtet? Und haben wir nicht zuerst davon geredet, uns unsern König zurückzuholen? Aber die von Yahuda redeten noch heftiger als die von Israel.

20. Kapitel

20,1 Es traf sich aber, daß dort ein ruchloser Mann war, der hieß Scheba, ein Sohn Bichris, ein Benjaminiter. Der blies die Posaune und sprach: Wir haben kein Teil an Dawid noch Erbe am Sohn Isais. Ein jeder gehe in sein Zelt, Israel!

20,2 Da fiel jedermann in Israel von Dawid ab, und sie folgten Scheba, dem Sohn Bichris. Aber die Männer von Yahuda hingen ihrem König an und geleiteten ihn vom Jordan bis Jerusalem.

20,3 Als aber der König Dawid heimkam nach Jerusalem, nahm er die zehn Nebenfrauen, die er zurückgelassen hatte, um das Haus zu bewahren, und tat sie in ein besonderes Haus und versorgte sie; aber er ging nicht ein zu ihnen. Und so waren sie eingeschlossen bis an ihren Tod und lebten wie Witwen.

20,4 Und der König sprach zu Amasa: Ruf mir alle Männer von Yahuda auf den dritten Tag zusammen, und du sollst dann auch hier stehen.

20,5 Und Amasa ging hin, um Yahuda zusammenzurufen; aber er blieb über die Zeit hinaus, die ihm bestimmt war.

20,6 Da sprach Dawid zu Abischai: Nun wird uns Scheba, der Sohn Bichris, mehr Schaden tun als Absalom. Nimm du die Männer deines Herrn und jage ihm nach, damit er nicht etwa für sich feste Städte gewinne und entreiße sie vor unsern Augen.

20,7 Da zogen die Männer Yoabs aus und folgten Abischai, dazu die Kreter und Pleter und alle Helden. Sie zogen aber aus von Jerusalem, um Scheba, dem Sohn Bichris, nachzujagen.

20,8 Als sie aber bei dem großen Stein bei Gibeon waren, war Amasa vor ihnen angekommen. Yoab aber trug einen Waffenrock und darüber einen Gürtel mit einem Dolch; der war befestigt an seiner Hüfte in der Scheide, und wenn diese heraustrat, entfiel ihr der Dolch.

20,9 Und Yoab sprach zu Amasa: Friede mit dir, mein Bruder! Und Yoab faßte mit seiner rechten Hand Amasa bei dem Bart, um ihn zu küssen.

20,10 Und Amasa hatte nicht acht auf den Dolch in der linken Hand Yoabs. Der stach ihn damit in den Bauch, so daß seine Eingeweide auf die Erde fielen, und gab ihm keinen Stich mehr, und er starb. Yoab aber und sein Bruder Abischai jagten Scheba, dem Sohn Bichris, nach.

20,11 Und es trat ein Mann von den Leuten Yoabs neben ihn und rief: Wer's mit Yoab hält und für Dawid ist, der folge Yoab nach!

20,12 Amasa aber lag in seinem Blut mitten auf der Straße. Als aber der Mann sah, daß alles Volk da stehen blieb, wälzte er Amasa von der Straße auf den Acker und warf Kleider auf ihn, weil er sah, daß jeder stehen blieb, der an ihm vorbeikam.

20,13 Als er nun von der Straße weggeschafft war, folgte jedermann Yoab nach, um Scheba, dem Sohn Bichris, nachzujagen.

20,14 Und der zog durch alle Stämme Israels bis Abel-Bet-Maacha, und es versammelten sich alle Bichriter und folgten ihm nach.

20,15 Aber die Leute Yoabs kamen und belagerten ihn in Abel-Bet-Maacha und schütteten einen Wall gegen die Stadt auf, daß er bis an die Vormauer reichte, und stürmten und wollten die Mauer niederwerfen.

20,16 Da rief eine kluge Frau aus der Stadt: Hört her! Hört her! Sprecht zu Yoab: Komm hierher, ich will mit dir reden.

20,17 Und als er zu ihr kam, sprach die Frau: Bist du Yoab? Er sprach: Ja. Sie sprach zu ihm: Höre die Rede deiner Magd. Er sprach: Ich höre.

20,18 Sie sprach: Vorzeiten sagte man: Man frage doch nach in Abel und in Dan, so geht es gut aus;

20,19 ich bin eine von den friedsamen und treuen Städten in Israel, und du willst eine Stadt und Mutter in Israel zugrunde richten? Warum willst du das Erbteil Haschem verderben?

20,20 Yoab antwortete: Das sei ferne, das sei ferne von mir, daß ich verderben und vernichten will! So steht es nicht!

20,21 Sondern ein Mann vom Gebirge Ephraim mit Namen Scheba, der Sohn Bichris, hat sich empört gegen den König Dawid. Gebt ihn allein heraus, so will ich von der Stadt abziehen. Die Frau sprach zu Yoab: Siehe, sein Kopf soll zu dir über die Mauer geworfen werden.

20,22 Und die Frau beredete das ganze Volk mit ihrer Klugheit. Und sie hieben Scheba, dem Sohn Bichris, den Kopf ab und warfen ihn zu Yoab hinaus. Da blies er die Posaune, und sie zogen ab von der Stadt und zerstreuten sich, ein jeder in sein Zelt. Yoab aber kam zurück nach Jerusalem zum König.

20,23 Yoab aber war über das ganze Heer Israels gesetzt, Benaja, der Sohn Jojadas, über die Kreter und Pleter.

20,24 Hadoram war über die Fronarbeiter gesetzt. Yoschafat, der Sohn Ahiluds, war Kanzler.

20,25 Schewa war Schreiber, Zadok und Abjatar waren Priester.

20,26 Auch Ira, der Yaïriter, war Dawids Priester.

 

 
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