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Das Buch Der Makkabäer 1

1. Kapitel

1,1 Der Mazedonier Alexander, Sohn des Philippus, zog damals vom Land der Kittäer aus. Er besiegte Darius, den König der Perser und Meder, und wurde als erster König von Griechenland sein Nachfolger.

1,2 Er führte viele Kriege, eroberte zahlreiche Festungen und ließ die Könige der Erde erschlagen,

1,3 er kam bis an das Ende der Welt, plünderte viele Völker aus, und die ganze Erde lag ihm wehrlos zu Füßen. Da wurde sein Herz stolz und überheblich.

1,4 Er stellte ein sehr großes Heer auf, herrschte über Länder, Völker und Fürsten und machte sie sich tributpflichtig.

1,5 Doch dann sank er aufs Krankenlager und fühlte seinen Tod nahen.

1,6 Er rief seine höchsten Offiziere zusammen, die mit ihm aufgewachsen waren, und verteilte sein Reich unter sie, solange er noch lebte.

1,7 Zwölf Jahre hatte Alexander regiert, als er starb.

1,8 Seine Offiziere übernahmen die Regierung, jeder in seinem Bereich.

1,9 Nach seinem Tod setzten sich alle die Königskrone auf, ebenso hielten es ihre Nachkommen lange Zeit hindurch. Sie brachten großes Unglück über die Erde.

1,10 Aus ihnen ging ein besonders torahloser Sproß hervor, Antiochus Epiphanes, der Sohn des Königs Antiochus. Er war als Geisel in Rom gewesen und trat im Jahr 137 der griechischen Herrschaft die Regierung an.

1,11 Zu dieser Zeit traten Verräter am Gesetz in Israel auf, die viele (zum Abfall) überredeten. Sie sagten: Wir wollen einen Bund mit den fremden Völkern schließen, die rings um uns herum leben, denn seit wir uns von ihnen abgesondert haben, geht es uns schlecht.

1,12 Dieser Vorschlag gefiel ihnen,

1,13 und einige aus dem Volk fanden sich bereit, zum König zu gehen. Der König gab ihnen die Erlaubnis, nach den Gesetzen der fremden Völker zu leben.

1,14 Sie errichteten in Jerusalem eine Sportschule, wie es bei den fremden Völkern Brauch ist,

1,15 und ließen bei sich die Beschneidung rückgängig machen. So fielen sie von HaschemS Bund ab, vermischten sich mit den fremden Völkern und gaben sich dazu her, Böses zu tun.

1,16 Als Antiochus sah, daß sich seine Herrschaft gefestigt hatte, faßte er den Plan, auch König von Ägypten zu werden und so über zwei Reiche zu herrschen.

1,17 Er drang mit vielen Soldaten in Ägypten ein, mit Streitwagen und Kriegselefanten, mit Reitern und einer großen Flotte,

1,18 und führte Krieg gegen Ptolemäus, den König von Ägypten. Ptolemäus wurde von ihm geschlagen und mußte fliehen, nachdem viele seiner Leute im Kampf gefallen waren.

1,19 Die befestigten Städte Ägyptens wurden erobert und das Land geplündert.

1,20 Antiochus wandte sich nach seinem Sieg über Ägypten im Jahr 143 gegen Israel und rückte mit zahlreichen Truppen hinauf vor Jerusalem.

1,21 In seiner Vermessenheit betrat er sogar das Miqdash, er raubte den goldenen Rauchopferaltar, den Leuchter samt seinem Zubehör,

1,22 den Tisch für die Schaubrote, die Opfer- und Trinkschalen, die goldenen Rauchfässer, den Vorhang, die Kronen und den goldenen Schmuck von der Vorderseite des Tempels. Von allem ließ er das Gold abschlagen.

1,23 Dann nahm er das Silber, das Gold, die kostbaren Geräte, und was er von den versteckten Schätzen finden konnte,

1,24 und ließ alles in sein Land schleppen. Er richtete ein Blutbad an und führte ganz vermessene Reden.

1,25 Da kam große Trauer über das ganze Land Israel.

1,26 Die Vornehmen und Alten stöhnten, die Mädchen und jungen Männer verloren ihre Kraft, und die Schönheit der Frauen verfiel.

1,27 Jeder Bräutigam stimmte die Totenklage an, die Braut saß trauernd in ihrem Gemach.

1,28 Das Land zitterte um seine Bewohner. Das ganze Haus Jakob war mit Schande bedeckt.

1,29 Zwei Jahre später schickte der König einen Beamten in die Städte von Judäa mit dem Auftrag, die Steuern einzutreiben. Er kam mit zahlreichen Truppen nach Jerusalem.

1,30 Hinterlistig bot er den Einwohnern zunächst Frieden an. Als man ihm Glauben schenkte, fiel er plötzlich über die Stadt her, richtete großen Schaden in ihr an und brachte viele Israeliten um.

1,31 Er ließ die Stadt plündern und in Brand stecken und die Häuser und Stadtmauern ringsum niederreißen.

1,32 Frauen und Kinder schleppte man in die Sklaverei, und ihren Besitz nahm man als Beute mit.

1,33 Um die Davidstadt bauten sie eine hohe und feste Mauer mit mächtigen Türmen, damit sie ihnen als Burg dienen konnte.

1,34 Sie legten eine heidnische Besatzung hinein, Männer, die sich nicht an das Gesetz hielten. Diese setzten sich dort fest,

1,35 versahen sich mit Waffen und Proviant und brachten auch die Beute, die sie in Jerusalem gemacht hatten, dort unter. So wurden sie zu einer großen Gefahr.

1,36 Aus dem Hinterhalt bedrohten sie das Miqdash, immer waren sie für Israel ein schlimmer Feind.

1,37 Rings um den Tempel vergossen sie unschuldiges Blut und entweihten die gesegnete Stätte.

1,38 Jerusalems Einwohner flohen vor ihnen, und Ausländer zogen in die Stadt ein. Ihren eigenen Kindern wurde die Stadt fremd, und ihre Söhne verließen sie.

1,39 Ihr Miqdash wurde leer wie die Wüste, ihre Feste verwandelten sich in Trauer. Ihre Shabbate wurden verhöhnt, statt geehrt zu sein, war sie verachtet.

1,40 So groß ihre Herrlichkeit gewesen war, so groß war nun ihre Schande. Von ihrer Höhe ist sie herabgestürzt, jetzt liegt sie in Trauer.

1,41 Damals schrieb der König seinem ganzen Reich vor, alle sollen zu einem einzigen Volk werden,

1,42 und jeder solle seine Eigenart aufgeben. Alle Völker fügten sich dem Erlaß des Königs.

1,43 Auch vielen Männern aus Israel gefiel der Gottesdienst, den er angeordnet hatte, sie opferten den Götterbildern und entweihten den Shabbat.

1,44 Der König schickte Boten nach Jerusalem und in die Städte Judäas mit der schriftlichen Anordnung, man solle eine Lebensform übernehmen, die dem Land fremd war.

1,45 Brand-, Schlacht- und Trankopfer im Miqdash seien einzustellen, Shabbate und Feste zu entweihen,

1,46 das Miqdash und die Frommen zu schänden.

1,47 Man solle statt dessen Altäre, Kultstätten und Tempel für die fremden Götter errichten sowie Schweine und andere unreine Tiere opfern.

1,48 Ihre Söhne dürften sie nicht mehr beschneiden, vielmehr sollten sie sich mit jeder denkbaren Unreinheit und Schande beflecken.

1,49 So sollte das Gesetz in Vergessenheit geraten, und alle seine Vorschriften sollten hinfällig werden.

1,50 Wer aber des Königs Anordnung nicht befolge, müsse sterben.

1,51 Ähnliche Anweisungen erließ er für sein ganzes Reich. Er setzte Beamte ein, die die Durchführung im ganzen Volk überwachen sollten, auch gab er den Befehl, der Reihe nach in allen Städten Judäas einen Opfergottesdienst zu halten.

1,52 Viele aus dem Volk schlossen sich ihnen an, sie alle fielen vom Gesetz ab und trieben es schlimm im Land.

1,53 Die Israeliten mußten sich vor ihnen verstecken, wo immer sie Zuflucht fanden.

1,54 Am fünfzehnten Kislew des Jahres 145 ließ der König auf dem Brandopferaltar den unglücksvollen Greuel aufstellen, auch in den Städten Judäas ringsum baute man Altäre.

1,55 Vor den Haustüren und auf den Plätzen opferte man Weihrauch.

1,56 Alle Buchrollen des Gesetzes, die man fand, wurden zerrissen und verbrannt.

1,57 Wer im Besitz einer Bundesrolle angetroffen wurde oder zum Gesetz hielt, wurde aufgrund der königlichen Anordnung zum Tod verurteilt.

1,58 Sie ließen Israel ihre Macht fühlen und gingen mit Gewalt gegen alle vor, die sie Monat für Monat in den Städten aufspürten.

1,59 Am fünfundzwanzigsten des Monats (Kislew) brachten sie auf dem Altar, den sie über dem Brandopferaltar errichtet hatten, ein Opfer dar.

1,60 Frauen, die ihre Kinder hatten beschneiden lassen, wurden auf Befehl (des Königs) hingerichtet,

1,61 dabei hängte man die Säuglinge an den Hals ihrer Mütter. Auch ihre Familien brachte man um samt denen, die die Beschneidung vorgenommen hatten.

1,62 Dennoch blieben viele aus Israel fest und stark, sie aßen nichts, was unrein war.

1,63 Lieber wollten sie sterben, als sich durch die Speisen unrein machen und den geweihten Bund entweihen. So starben sie.

1,64 Ein gewaltiger Zorn lag auf Israel.

2. Kapitel

2,1 Damals trat ein Priester auf aus dem Geschlecht des Jojarib namens Mattatias, sein Vater war Johanan, der Sohn Simeons. Er stammte aus Jerusalem, hatte sich aber in Modeïn niedergelassen.

2,2 Er hatte fünf Söhne: Johanan, den man auch Gaddi nannte,

2,3 Simeon mit dem Beinamen Tassi,

2,4 Judas, der als der Makkabäer bekannt wurde,

2,5 Eleasar, dem man den Namen Awaran gab, und Jonatan, der auch Apphus hieß.

2,6 Als er das lästerliche Treiben in Judäa und in Jerusalem sah, sagte er:

2,7 Ach, warum bin ich geboren, daß ich erleben muß, wie man mein Volk vernichtet und die gweihte Stadt zerstört? Ohnmächtig mußte man zusehen, wie sie in die Gewalt ihrer Feinde geriet, wie die geweihte Stätte Fremden in die Hände fiel.

2,8 Ihr Tempel wurde wie ein ehrloser Mann,

2,9 ihre Kostbarkeiten schleppte man als Beute fort. Auf den Plätzen erschlug man ihre kleinen Kinder, ihre jungen Männer fielen unter dem Schwert des Feindes.

2,10 Welches Volk hat nicht ein Stück des Reiches erhalten, hat sich nicht seinen Anteil an der Beute errafft?

2,11 Ihren ganzen Schmuck nahm man ihr weg. Die Freie wurde zur Sklavin.

2,12 Seht, unser Miqdash, unsere Zierde und unser Ruhm, liegt verödet, fremde Völker haben es entweiht.

2,13 Wozu leben wir noch?

2,14 Und Mattatias und seine Söhne zerrissen ihre Gewänder, zogen Bußkleider an und gaben sich tiefer Trauer hin.

2,15 Da kamen die Beamten, die vom König den Auftrag hatten, die Einwohner zum Abfall von Gott zu zwingen, in die Stadt Modeïn, um die Opfer durchzuführen.

2,16 Viele Männer aus Israel kamen zu ihnen, auch Mattatias und seine Söhne mußten erscheinen.

2,17 Da wandten sich die Leute des Königs an Mattatias und sagten: Du besitzt in dieser Stadt Macht, Ansehen und Einfluß und hast die Unterstützung deiner Söhne und Verwandten.

2,18 Tritt also als erster vor, und tu, was der König angeordnet hat. So haben es alle Völker getan, auch die Männer in Judäa und alle, die in Jerusalem geblieben sind. Dann wirst du mit deinen Söhnen zu den Freunden des Königs gehören, auch wird man dich und deine Söhne mit Silber, Gold und vielen Geschenken überhäufen.

2,19 Mattatias aber antwortete mit lauter Stimme: Auch wenn alle Völker im Reich des Königs ihm gehorchen und jedes von der Religion seiner Väter abfällt und sich für seine Anordnungen entscheidet –

2,20 ich, meine Söhne und meine Verwandten bleiben beim Bund unserer Väter.

2,21 Der Himmel bewahre uns davor, das Gesetz und seine Vorschriften zu verlassen.

2,22 Wir gehorchen den Befehlen des Königs nicht, und wir weichen weder nach rechts noch nach links von unserer Religion ab.

2,23 Kaum hatte er das gesagt, da trat vor aller Augen ein Jude vor und wollte auf dem Altar von Modeïn opfern, wie es der König angeordnet hatte.

2,24 Als Mattatias das sah, packte ihn leidenschaftlicher Eifer, er bebte vor Erregung und ließ seinem gerechten Zorn freien Lauf: Er sprang vor und erstach den Abtrünnigen über dem Altar.

2,25 Zusammen mit ihm erschlug er auch den königlichen Beamten, der sie zum Opfer zwingen wollte, und riß den Altar nieder,

2,26 der leidenschaftliche Eifer für das Gesetz hatte ihn gepackt, und er tat, was einst Pinhas mit Simri, dem Sohn des Salu, gemacht hatte.

2,27 Dann ging Mattatias durch die Stadt und rief laut: Wer sich für das Gesetz ereifert und zum Bund steht, der soll mir folgen.

2,28 Und er floh mit seinen Söhnen in die Berge, ihren ganzen Besitz ließen sie in der Stadt zurück.

2,29 Damals gingen viele, die Recht und Gerechtigkeit suchten, in die Wüste hinunter, um dort zu leben.

2,30 Ihre Kinder und ihre Frauen und auch ihr Vieh nahmen sie mit, denn ihre Lage zu Hause war unerträglich geworden.

2,31 Aber man meldete den Beauftragten des Königs und der Besatzung, die in der Davidstadt von Jerusalem war: Die Leute, die die Anordnung des Königs mißachtet haben, sind in die Wüste zu den Höhlen hinabgezogen.

2,32 Da setzte ihnen eine starke Truppe nach, als sie die Juden eingeholt hatte, stellte sie sich ihnen gegenüber auf und machte sich zum Kampf bereit. An jenem Tag war gerade Shabbat.

2,33 Die Soldaten riefen ihnen zu: Jetzt ist noch Zeit. Kommt heraus und tut, was der König sagt, dann bleibt ihr am Leben.

2,34 Die Juden antworteten: Wir gehen nicht hinaus und tun nicht, was der König sagt, wir werden den Shabbat nicht entweihen.

2,35 Da gingen die Soldaten sofort zum Angriff über.

2,36 Die Juden gaben keine Antwort mehr, sie warfen nicht einmal Steine auf sie, noch versperrten sie die Eingänge der Höhlen.

2,37 Denn sie sagten: Wir wollen lieber alle sterben, als schuldig werden. Himmel und Erde sind unsere Zeugen, daß ihr uns gegen jedes Recht umbringt.

2,38 Am Shabbat begannen die Soldaten den Kampf, so starben die Juden mit ihren Frauen und Kindern, etwa tausend Menschen, und auch ihr Vieh kam zusammen mit ihnen um.

2,39 Als Mattatias und seine Anhänger das erfuhren, hielten sie für die Toten eine große Trauerfeier ab.

2,40 Sie sagten zueinander: Wenn wir alle so handeln, wie unsere Brüder gehandelt haben, und nicht gegen die fremden Völker für unser Leben und unsere Gesetze kämpfen, dann vertilgen sie uns bald von der Erde.

2,41 Und sie beschlossen noch am gleichen Tag: Wenn uns jemand am Shabbat angreift, werden wir gegen ihn kämpfen, damit wir nicht alle umkommen wie unsere Brüder in den Höhlen.

2,42 Damals schloß sich ihnen auch die Gemeinschaft der Hasidäer an, das waren tapfere Männer aus Israel, die alle dem Gesetz treu ergeben waren.

2,43 Auch alle anderen, die vor dem Unglück flohen, kamen zu ihnen und verstärkten ihre Reihen.

2,44 Sie stellten eine bewaffnete Streitmacht auf, und sie erschlugen die Sünder in ihrem Zorn, die Frevler in ihrem Grimm. Wer übrig blieb, mußte zu den Nachbarvölkern fliehen, um sein Leben zu retten.

2,45 Mattatias und seine Anhänger zogen durch das ganze Land und rissen die Altäre nieder.

2,46 Alle unbeschnittenen Kinder, die sie in dem Gebiet Israels fanden, beschnitten sie gewaltsam.

2,47 Sie verfolgten die frechen Frevler, in allem, was sie taten, hatten sie Glück.

2,48 Sie entrissen das Gesetz der Gewalt fremder Völker und der Hand der Könige. Dem Sünder ließen sie keine Macht.

2,49 Schließlich kam für Mattatias die Zeit, daß er sterben mußte. Da sagte er zu seinen Söhnen: Nun sind über uns Hochmut und Strafe gekommen, die Zeit des Zusammenbruchs und lodernder Zorn.

2,50 Jetzt ereifert euch für das Gesetz, meine Söhne, setzt euer Leben ein für den Bund unserer Väter!

2,51 Denkt an die Taten, die unsere Väter zu ihren Zeiten vollbrachten, erwerbt euch großen Ruhm und einen ewigen Namen!

2,52 Wurde Abraham nicht für treu befunden in der Erprobung, und wurde ihm das nicht als Gerechtigkeit angerechnet?

2,53 Josef hielt das Gebot, als man ihn bedrängte, und wurde Herr über Ägypten.

2,54 Pinhas, unser Ahnherr, ereiferte sich für Haschem's Sache und empfing den Bund ewigen Priestertums.

2,55 Weil Josua seinen Auftrag erfüllte, wurde er Richter in Israel.

2,56 Kaleb sprach als Zeuge vor dem Volk die Wahrheit, darum bekam er ein Erbteil im Land.

2,57 David hielt die Treue, darum erhielt er den Königsthron als ewiges Erbe.

2,58 Elija kämpfte mit leidenschaftlichem Eifer für das Gesetz und wurde in den Himmel aufgenommen.

2,59 Hananja, Asarja und Mischaël hatten Vertrauen, darum wurden sie aus den Flammen gerettet.

2,60 Weil Daniel unschuldig war, wurde er dem Rachen der Löwen entrissen.

2,61 Überdenkt unsere ganze Vergangenheit: Keiner, der ihm vertraut, kommt zu Fall.

2,62 Habt keine Angst vor den Worten eines bösen Menschen! Seine Herrlichkeit verfällt der Fäulnis und den Würmern.

2,63 Heute noch reckt er sich hoch empor, morgen schon ist er verschwunden; denn er ist wieder zu Staub geworden und mit seinen Plänen ist's aus.

2,64 Meine Söhne, seid stark und mutig im Kampf für das Gesetz, denn durch das Gesetz werdet ihr euch Ruhm erwerben.

2,65 Da ist Simeon, euer Bruder. Ich weiß, daß er ein kluger Mann ist. Hört immer auf ihn! Er soll euer Vater sein.

2,66 Judas, der Makkabäer, ist seit seiner Jugend ein tapferer Krieger. Er soll an der Spitze eures Heeres stehen und den Kampf für sein Volk führen.

2,67 Schart alle um euch, die das Gesetz halten. Nehmt Rache für euer Volk!

2,68 Zahlt es den fremden Völkern heim! Achtet auf das, was das Gesetz befiehlt.

2,69 Und nachdem er sie gesegnet hatte, wurde er mit seinen Vätern vereint.

2,70 Er starb im Jahr 146. Man setzte ihn im Grab seiner Väter in Modeïn bei, und ganz Israel hielt feierlich die Totenklage um ihn.

3. Kapitel
3,1 An die Stelle des Mattatias trat sein Sohn Judas mit dem Beinamen der Makkabäer.

3,2 Alle seine Brüder unterstützten ihn, wie auch alle, die sich seinem Vater angeschlossen hatten. Freudig kämpften sie für Israel.

3,3 Er machte sein Volk weithin berühmt. Als Kriegsheld zog er seinen Panzer an, legte seine Waffen um und führte Krieg, sein Schwert war der Schutz seines Heeres.

3,4 Er glich im Kampf einem Löwen, einem jungen Löwen, der sich brüllend auf die Beute stürzt.

3,5 Er verfolgte die Sünder und spürte sie auf, er vertilgte alle, die sein Volk verwirrten.

3,6 Aus Furcht vor ihm verloren die Sünder den Mut, alle Übeltäter vergingen vor Angst. Seiner Hand gelang die Befreiung.

3,7 Vielen Königen schaffte er großen Verdruß, doch Jakob erfreute er mit seinen Taten. Sein Andenken sei ewig gepriesen.

3,8 Er zog durch die Städte Judäas, vernichtete die Frevler im Land und wandte Haschem's Zorn von Israel ab.

3,9 Man sprach von ihm bis ans Ende der Welt, er sammelte wieder, was verloren war.

3,10 Apollonius sammelte Truppen aus den fremden Völkern und dazu ein großes Heer aus Samarien, um gegen Israel Krieg zu führen.

3,11 Als Judas davon erfuhr, zog er ihm entgegen und besiegte und erschlug ihn. Viele kamen in diesem Kampf um, die übrigen flohen.

3,12 Danach holte man sich die Beute. Judas nahm das Schwert des Apollonius an sich, er gebrauchte es in jedem Kampf, solange er lebte.

3,13 Seron, der Befehlshaber der Streitkräfte in Syrien, hörte, daß Judas eine Gemeinschaft von Getreuen um sich geschart hatte, die mit ihm in den Kampf auszogen.

3,14 Da dachte er: Ich will mir einen Namen machen und im Reich berühmt werden: Ich werde einen Feldzug unternehmen gegen Judas und seine Leute, die das Wort des Königs verachten.

3,15 Ein großes Heer ruchloser Männer schloß sich ihm an und zog zu seiner Unterstützung mit ihm hinauf, um an den Israeliten Rache zu nehmen.

3,16 Er kam bis zur Steige von Bet-Horon. Judas zog ihm mit ganz wenigen Männern entgegen.

3,17 Als diese das Heer sahen, das gegen sie ausgerückt war, sagten sie zu Judas: Wie können wir mit so wenigen Leuten gegen eine solche Übermacht kämpfen? Außerdem sind wir ganz erschöpft, denn wir haben heute noch nichts gegessen.

3,18 Judas antwortete: Es kann leicht sein, daß viele wenigen in die Hände fallen, für den Himmel macht es keinen Unterschied, ob er durch viele oder wenige Rettung bringt.

3,19 Denn der Sieg im Kampf liegt nicht an der Größe des Heeres, sondern an der Kraft, die vom Himmel kommt.

3,20 Diese Leute da ziehen voll Hochmut und Bosheit gegen uns in den Kampf, um uns mit unseren Frauen und Kindern auszurotten und unsere Habe zu plündern.

3,21 Wir aber kämpfen für unser Leben und für unsere Gesetze.

3,22 Der Himmel wird sie vor unseren Augen vernichtend schlagen. Darum habt keine Angst vor ihnen!

3,23 Kaum hatte er das gesagt, da stürzte er sich überraschend auf die Feinde, und Seron und sein Heer wurden vor seinen Augen aufgerieben.

3,24 Sie verfolgten ihn von der Steige von Bet-Horon bis in die Ebene hinab, und es fielen gegen achthundert Mann von ihnen, die übrigen flohen ins Land der Philister.

3,25 Da begann man, sich vor Judas und seinen Brüdern zu fürchten, Schrecken befiel die Völker ringsum.

3,26 Selbst der König hörte seinen Namen, die ganze Welt erzählte von den Kämpfen des Judas.

3,27 Als König Antiochus von diesen Ereignissen hörte, wurde er sehr zornig. Er schickte Boten aus und zog alle Streitkräfte seines Reiches zusammen: ein gewaltig großes Heer.

3,28 Dann öffnete er seine Schatzkammer, gab seinen Truppen Sold für ein Jahr und befahl ihnen, sich für jeden Fall bereitzuhalten.

3,29 Doch merkte er, daß das Geld im Staatsschatz ausging. Auch kamen nur noch wenig Steuern aus dem Land ein, weil er Streit und Unglück über das Land gebracht hatte, als er die uralten Bräuche aufhob.

3,30 Er war also besorgt, daß er, wie es schon einige Male vorgekommen war, nicht mehr so aufwendig wie früher leben und keine Geschenke mehr verteilen könnte. Er war nämlich bisher besonders freigebig gewesen, mehr als die Könige vor ihm.

3,31 In seiner großen Verlegenheit beschloß er, nach Persien zu ziehen, um in jenen Provinzen die Steuern einzutreiben und auf diese Weise viel Geld zusammenzubringen.

3,32 Als seinen Statthalter über das Gebiet zwischen dem Eufrat und der Grenze Ägyptens ließ er Lysias zurück, einen Mann, der sehr angesehen war und aus königlicher Familie stammte.

3,33 Ihm übertrug er auch bis zu seiner Rückkehr die Erziehung seines Sohnes Antiochus.

3,34 Ferner überließ er ihm die Hälfte der Truppen und die Kriegselefanten und gab ihm Anweisungen über alle anstehenden Maßnahmen, auch gegen die Bewohner von Judäa und Jerusalem.

3,35 Er sagte, er solle ein Heer gegen Israel schicken, um seine Macht zu brechen, um alles zu vernichten, was von Jerusalem noch übrig sei, und sogar die Erinnerung an die Juden auslöschen.

3,36 Er solle Menschen aus fremden Völkern in ihrem ganzen Gebiet ansiedeln und das Land an sie verlosen.

3,37 Die andere Hälfte der Truppen nahm der König mit sich, er brach im Jahr 147 von seiner Hauptstadt Antiochia auf, überquerte den Eufrat und marschierte in die östlichen Provinzen.

3,38 Lysias aber wählte Ptolemäus aus, den Sohn des Dorymenes, außerdem Nikanor und Gorgias, tapfere Männer, die zu den Freunden des Königs gehörten,

3,39 und schickte sie mit vierzigtausend Mann und siebentausend Reitern auf den Weg. Sie sollten in Judäa einmarschieren und das Land verwüsten, wie es der König befohlen hatte.

3,40 Sie brachen also mit ihrem ganzen Heer auf, zogen bis Emmaus und schlugen dort in der Ebene ihr Lager auf.

3,41 Als die Händler in jener Gegend von ihnen hörten, kamen sie mit viel Silber und Gold und mit Fußfesseln zum Lager, um die Israeliten als Sklaven aufzukaufen. Dem Heer schlossen sich auch noch Truppen aus Syrien und aus dem Land der Philister an.

3,42 Als Judas und seine Brüder sahen, daß großes Unglück drohte und die feindlichen Truppen schon auf ihrem Gebiet ihr Lager aufschlugen, und als sie erfuhren, welche Befehle der König gegeben hatte, um das Volk völlig zu vernichten,

3,43 sagten sie zueinander: Wir wollen die Trümmer unseres Volkes wiederaufbauen und für unser Volk und das Miqdash kämpfen.

3,44 Und sie kamen zusammen, um sich zum Kampf zu rüsten, aber auch, um zu beten und Gnade und Mitleid zu erflehen.

3,45 Jerusalem war menschenleer wie eine Wüste, von den Kindern der Stadt ging keines mehr ein oder aus. Die geweihte Stätte war entweiht. Ausländer hausten in der Burg, sie war ein Gasthaus für fremde Völker. Die Freude war aus Jakob verschwunden, Flöte und Harfe waren verstummt.

3,46 Sie versammelten sich also und gingen nach Mizpa. Das ist ein Ort, der Jerusalem gegenüber liegt und an dem die Israeliten früher eine Gebetsstätte hatten.

3,47 Sie fasteten an jenem Tag, zogen Bußkleider an, streuten sich Staub auf das Haupt und zerrissen ihre Gewänder.

3,48 Sie breiteten die Gesetzesrolle aus, um eine Entscheidung zu erhalten, so wie die fremden Völker ihre Götterbilder befragen.

3,49 Auch brachten sie die priesterlichen Gewänder, die Erstlingsfrüchte und den Zehnten herbei, befahlen den Nasiräern, deren Zeit abgelaufen war, sich zu versammeln,

3,50 und schrien laut zum Himmel: Was sollen wir mit diesen Dingen und diesen Menschen tun, wo sollen wir sie hinbringen?

3,51 Man entweiht und schändet dein Miqdash, deine Priester leben in Trauer und Elend.

3,52 Sieh her: Man führt fremde Völker zusammen, um uns auszurotten. Du weißt, was sie mit uns vorhaben.

3,53 Wie können wir ihrem Angriff standhalten, wenn du uns nicht hilfst?

3,54 Dabei ließen sie die Trompeten blasen und schrien laut.

3,55 Danach setzte Judas Heerführer ein, jeweils über tausend, hundert, fünfzig und zehn.

3,56 Alle, die (kurz zuvor) ein Haus gebaut, eine Frau geheiratet oder Weinberge angelegt hatten oder die Angst hatten, ließ er nach Hause zurückkehren, wie es das Gesetz vorschreibt.

3,57 Danach brach das Heer auf und schlug südlich von Emmaus sein Lager auf.

3,58 Judas sagte: Legt eure Waffen an, und seid tapfer! Macht euch bereit, morgen früh mit diesen fremden Völkern zu kämpfen, die man zusammengeführt hat, um uns und unser Miqdash zu vernichten. 3

,59 Denn wir wollen lieber im Kampf fallen als zusehen, wie Unglück über unser Volk und über das Miqdash kommt.

3,60 Doch wie der Himmel will, so soll es geschehen.

4. Kapitel

4,1 Gorgias aber nahm eine Abteilung von fünftausend Mann und tausend ausgesuchten Reitern und brach mit ihnen in der Nacht auf.

4,2 Er wollte nämlich das jüdische Heer überfallen und überraschend schlagen, Leute aus der Burg zeigten ihm den Weg.

4,3 Doch Judas erfuhr davon und brach selbst mit seinen Männern auf, um das Lager der königlichen Streitkräfte vor Emmaus anzugreifen,

4,4 solange die anderen Truppen vom Lager getrennt waren.

4,5 Gorgias erreichte noch in der Nacht das Lager der Juden, fand aber niemand. Daher suchte er sie in den Bergen, denn er dachte: Sie sind vor uns geflohen.

4,6 Bei Tagesanbruch erschien Judas mit dreitausend Mann in der Ebene. Doch sie waren nicht so ausgerüstet und bewaffnet, wie sie es wünschten.

4,7 Als sie das Kriegslager der fremden Völker sahen, das stark, fest gebaut und ringsum von Reiterei umgeben war - lauter gut ausgebildete Soldaten -,

4,8 da sagte Judas zu seinen Männern: Habt keine Angst vor ihrer Übermacht, und fürchtet euch nicht vor ihrer Kampfkraft!

4,9 Denkt daran, wie unsere Väter im Roten Meer gerettet wurden, als der Pharao sie mit seinem Heer verfolgte.

4,10 Laßt uns den Himmel anrufen, daß er uns gewogen ist und des Bundes mit unseren Vätern gedenkt und daß er dieses Heer heute vor unseren Augen vernichtend schlägt.

4,11 Dann werden alle Völker erkennen, daß es einen gibt, der Israel loskauft und rettet.

4,12 Als die fremden Soldaten aufblickten, sahen sie die Juden heranrücken.

4,13 Da kamen sie aus ihrem Lager heraus, um zu kämpfen, die Männer des Judas aber bliesen die Widderhörner.

4,14 Die beiden Heere stießen aufeinander, und die fremden Völker wurden vernichtend geschlagen und flohen in die Ebene.

4,15 Alle, die nicht schnell genug waren, fielen unter dem Schwert. Die Juden verfolgten sie bis nach Geser und in die Ebene von Idumäa, Aschdod und Jamnia und erschlugen ungefähr dreitausend von ihnen.

4,16 Dann hörte Judas mit seinen Leuten auf, sie zu verfolgen und kehrte um.

4,17 Er sagte zu seinen Männern: Fallt noch nicht über die Beute her, denn uns steht noch ein Kampf bevor.

4,18 Gorgias steht mit seinen Truppen dicht vor uns in den Bergen. Stellt euch also zum Kampf gegen eure Feinde auf und greift sie an, nachher könnt ihr in aller Ruhe eure Beute holen.

4,19 Während Judas noch sprach, sah man eine Abteilung der Feinde hinter dem Berg auftauchen.

4,20 Als sie merkten, daß ihre Leute geschlagen waren und die Juden das Lager angezündet hatten - der weithin sichtbare Rauch zeigte an, was geschehen war -,

4,21 bekamen sie bei diesem Anblick große Angst. Als sie außerdem sahen, daß das Heer des Judas kampfbereit in der Ebene stand,

4,22 flohen sie alle ins Land der Philister.

4,23 Jetzt erst machte sich Judas an die Plünderung des Lagers. Sie erbeuteten viel Gold und Silber, violette und rote Purpurstoffe und andere reiche Schätze.

4,24 Auf dem Rückmarsch priesen und lobten sie den Himmel: "Denn er ist gütig, denn seine Huld währt ewig".

4,25 So wurde Israel an jenem Tag wunderbar gerettet.

4,26 Die Philister, die sich hatten retten können, kamen zu Lysias und meldeten ihm, was geschehen war.

4,27 Auf diese Nachricht hin war er bestürzt und in großer Sorge. Denn der Feldzug gegen Israel war nicht so verlaufen, wie er es gewollt hatte, der Auftrag des Königs war nicht ausgeführt worden.

4,28 Darum warb er im nächsten Jahr sechzigtausend Söldner an, ausgesuchte Männer, dazu fünftausend Reiter, um wieder gegen die Juden zu Felde zu ziehen.

4,29 Sie zogen nach Idumäa und schlugen in Bet-Zur ihr Lager auf. Judas aber kam ihnen mit zehntausend Mann entgegen.

4,30 Als Judas das gewaltige Heerlager der Feinde erblickte, sprach er folgendes Gebet: Gepriesen seist du, Retter Israels. Du hast den wütenden Riesen durch deinen Knecht David erschlagen, du hast das Kriegslager der Philister Jonatan, dem Sohn Sauls, und seinem Waffenträger in die Hand gegeben.

4,31 Gib dieses Heer deinem Volk Israel preis! Sie sollen beschämt werden samt ihrem Fußvolk und ihrer Reiterei.

4,32 Jag ihnen einen Schrecken ein, und laß ihren kühnen Mut schwinden! Ihr Untergang soll sie erschüttern.

4,33 Schlag sie nieder durch das Schwert derer, die dich lieben. Dann werden alle, die deinen Namen kennen, dein Lob singen.

4,34 Als nun die Heere aufeinanderstießen, fielen etwa fünftausend von den Soldaten des Lysias.

4,35 Als Lysias sah, welche Niederlage sein Heer erlitten hatte, und wie kühn die Leute des Judas waren, bereit, tapfer zu leben oder zu sterben, kehrte er nach Antiochia zurück. Dort warb er Söldner an, um mit noch stärkerer Macht noch einmal gegen Judäa zu ziehen.

4,36 Judas und seine Brüder aber sagten: Unsere Feinde sind nun vernichtend geschlagen. Wir wollen nach Jerusalem hinaufziehen, den Tempel reinigen und ihn neu weihen.

4,37 Das ganze Heer versammelte sich also und zog zum Berg Zion hinauf.

4,38 Da sahen sie das Miqdash verödet daliegen. Der Brandopferaltar war entweiht, die Tore hatte man verbrannt. In den Vorhöfen wuchs Unkraut wie in einem Wald oder auf einem Berg, und die Nebengebäude waren verfallen.

4,39 Da zerrissen sie ihre Gewänder, begannen laut zu klagen und streuten sich Staub auf das Haupt.

4,40 Sie warfen sich nieder, mit dem Gesicht zur Erde. Sie bliesen die Signaltrompeten und schrien zum Himmel.

4,41 Dann befahl Judas einer Schar seiner Männer, die Besatzung der Burg zu belagern, bis das Miqdash gereinigt sei.

4,42 Er wählte untadelige und gesetzestreue Priester aus,

4,43 damit sie das Miqdash reinigten und die entweihten Steine an einen unreinen Ort trugen.

4,44 Sie berieten, was sie mit dem entweihten Brandopferaltar tun sollten.

4,45 Es kam ihnen der gute Gedanke, ihn niederzureißen, denn er hätte ihnen Schande gebracht, da die fremden Völker ihn entweiht hatten. So rissen sie den Altar nieder

4,46 und legten die Steine an einen passenden Ort auf dem Tempelberg nieder, bis ein Prophet komme und entscheide, was damit geschehen solle.

4,47 Dann nahmen sie unbehauene Steine, wie es das Gesetz vorschreibt, und errichteten einen neuen Altar, der genauso aussah wie der alte.

4,48 Auch das Miqdash und die Innenräume des Tempels bauten sie wieder auf und reinigten die Vorhöfe.

4,49 Sie fertigten neue geweihte Geräte an und stellten den Leuchter, den Rauchopferaltar und den Tisch in den Tempel.

4,50 Dann brachten sie auf dem Altar ein Rauchopfer dar, zündeten die Lichter an dem Leuchter an, so daß der Tempel hell wurde,

4,51 legten Schaubrote auf den Tisch und hängten den Vorhang auf. So beendeten sie alle Arbeiten, die sie sich vorgenommen hatten.

4,52 Am Fünfundzwanzigsten des neunten Monats - das ist der Monat Kislew - im Jahr 148 standen sie früh am Morgen auf

4,53 und brachten auf dem neuen Brandopferaltar, den sie errichtet hatten, Opfer dar, so wie sie das Gesetz vorschreibt.

4,54 Zur gleichen Zeit und am selben Tag, an dem ihn die fremden Völker entweiht hatten, wurde er neu geweiht, unter Liedern, Zither- und Harfenspiel und dem Klang der Zimbeln.

4,55 Das ganze Volk warf sich nieder auf das Gesicht, sie beteten an und priesen den Himmel, der ihnen Erfolg geschenkt hatte.

4,56 Acht Tage lang feierten sie die Altarweihe, brachten mit Freuden Brandopfer dar und schlachteten Dankopfer.

4,57 Sie schmückten die Vorderseite des Tempels mit Kränzen und kleinen Schilden aus Gold, sie erneuerten die Tore und auch die Nebengebäude, die sie wieder mit Türen versahen.

4,58 Im Volk herrschte sehr große Freude, denn die Schande, die ihnen die fremden Völker zugefügt hatten, war beseitigt.

4,59 Judas faßte mit seinen Brüdern und mit der ganzen Gemeinde Israels den Beschluß, Jahr für Jahr zur selben Zeit mit festlichem Jubel die Tage der Altarweihe zu begehen, und zwar acht Tage lang, vom fünfundzwanzigsten Kislew an.

4,60 In jener Zeit errichteten sie rund um den Zionsberg auch hohe Mauern mit festen Türmen, damit die fremden Völker nicht mehr in dieses Gebiet eindringen und es entweihen konnten, wie sie es vorher getan hatten.

4,61 Und Judas ordnete Truppen ab, um ihn zu bewachen. Auch Bet-Zur ließ er befestigen und legte eine Besatzung hinein, um das Volk gegen Idumäa abzusichern.

5. Kapitel

5,1 Als aber die Völker ringsum hörten, daß die Juden den Altar neu errichtet und das Miqdash wieder geweiht hatten, so daß alles war wie früher, gerieten sie in heftigen Zorn.

5,2 Sie beschlossen, alle aus dem Stamm Jakobs, die bei ihnen wohnten, auszurotten, und begannen, im Volk Tod und Verderben zu verbreiten.

5,3 Da griff Judas die Nachkommen Esaus an, die jenen Teil Idumäas bewohnten, der Akrabattene heißt, sie hatten nämlich die Grenze nach Israel abgeriegelt. Er brachte ihnen eine schwere Niederlage bei, ließ sie seine Macht fühlen und ihren Besitz plündern.

5,4 Auch dachte er daran, welche Untaten die Beoniter begangen hatten, sie hatten nämlich den Juden an den Wegen aufgelauert und waren für das Volk wie ein Netz und eine Falle gewesen.

5,5 Daher schloß er sie jetzt in ihre Fliehtürme ein und belagerte sie, er weihte sie dem Untergang und verbrannte die Türme mit allen, die darin waren.

5,6 Dann zog er hinüber gegen die Ammoniter. Er traf auf eine starke Streitmacht mit vielen Kriegern, ihr Anführer war Timotheus.

5,7 Judas verwickelte sie in zahlreiche Gefechte, und sie wurden von ihm vernichtend geschlagen und besiegt.

5,8 Er eroberte auch die Stadt Jaser und ihre Tochterstädte. Dann kehrte er nach Judäa zurück.

5,9 Da rotteten sich die Völker des Landes Gilead gegen die Israeliten, die in ihrem Gebiet lebten, zusammen, um sie zu töten. Doch diese konnten sich in die Festung Datema flüchten.

5,10 Sie schrieben an Judas und seine Brüder einen Brief mit folgendem Inhalt: Die Völker ringsum haben sich gegen uns zusammengerottet, um uns zu vernichten.

5,11 Sie stehen bereit, um zu kommen und die Festung zu erobern, in die wir geflohen sind. Timotheus führt ihre Streitkräfte an.

5,12 Darum komm her, und rette uns aus ihrer Gewalt, denn viele von uns sind schon gefallen.

5,13 Auch unsere Brüder, die unter den Leuten von Tubi lebten, hat man umgebracht, ihre Frauen gefangengenommen, ihre Kinder und ihren Besitz geraubt. Etwa tausend Männer sind dort umgekommen.

5,14 Judas und seine Brüder hatten den Brief noch nicht zu Ende gelesen, da kamen andere Boten aus Galiläa in zerrissenen Kleidern und brachten ihnen die Nachricht:

5,15 Die Einwohner von Ptolemaïs, Tyrus und Sidon und dem ganzen oberen Galiläa, soweit es Fremdstämmige bewohnen, haben sich zusammengetan, um uns auszurotten.

5,16 Als Judas und das Volk das hörten, beriefen sie eine große Versammlung ein, um zu beraten, was sie für ihre bedrängten Brüder tun sollten, die von den Feinden angegriffen wurden.

5,17 Judas sagte zu seinem Bruder Simeon: Such dir geeignete Männer aus, mach dich auf den Weg, und befrei deine Brüder in Galiläa, ich und mein Bruder Jonatan wollen nach Gilead ziehen.

5,18 Als Anführer des Volkes ließ er Josef, den Sohn Secharjas, und Asarja mit dem Rest des Heeres zur Bewachung Judäas zurück.

5,19 Er gab ihnen den Befehl: Übernehmt die Führung dieser Leute, aber laßt euch in keinen Kampf mit fremden Völkern ein, bevor wir zurückgekehrt sind.

5,20 Simeon erhielt dreitausend Mann zugeteilt, mit denen er nach Galiläa ziehen sollte, Judas dagegen achttausend Mann für Gilead.

5,21 Simeon zog also nach Galiläa. Dort lieferte er den fremden Völkern zahlreiche Gefechte, und sie wurden vor seinen Augen vernichtend geschlagen.

5,22 Er verfolgte sie bis an die Tore von Ptolemaïs. Von den fremden Völkern fielen ungefähr dreitausend Mann, und Simeon machte reiche Beute bei ihnen.

5,23 Dann führte er die Juden aus Galiläa und Arbatta mit ihren Frauen und Kindern und ihrem ganzen Besitz unter großem Jubel nach Judäa zurück.

5,24 Judas, der Makkabäer, und sein Bruder Jonatan hatten indessen den Jordan überschritten und waren drei Tagesmärsche durch die Steppe gezogen.

5,25 Dort trafen sie auf die Nabatäer, die ihnen freundlich begegneten und ihnen alles erzählten, was ihren Brüdern in Gilead zugestoßen war.

5,26 Viele von ihnen würden in Bosora, Bosor, Alema, Kaspin, Maked und Karnajim festgehalten, lauter großen, befestigten Städten.

5,27 Auch in den übrigen Städten Gileads halte man sie fest, und morgen wolle man sich anschicken, die Festungen zu belagern und zu erstürmen. Alle sollten an einem einzigen Tag umgebracht werden.

5,28 Da kehrte Judas mit seinem Heer überraschend um. Er nahm den Weg durch die Steppe von Bosora, eroberte die Stadt, erschlug mit scharfem Schwert die gesamte männliche Bevölkerung, plünderte die Stadt völlig aus und brannte sie nieder.

5,29 Noch in der gleichen Nacht brach er wieder auf, und sie zogen bis vor die Festung Datema.

5,30 Als sie gegen Morgen Ausschau hielten, da sahen sie ein unzählbar großes Heer, die Soldaten schleppten Sturmleitern und Belagerungsmaschinen heran, um die Festung zu erstürmen und gingen schon zum Angriff gegen die Juden über.

5,31 Judas sah, daß der Kampf bereits begonnen hatte: Der Lärm aus der Stadt, Trompetengeschmetter und lautes Geschrei drangen bis zum Himmel.

5,32 Da rief er den Männern in seinem Heer zu: Kämpft heute für unsere Brüder!

5,33 Dann griff er die Feinde mit drei Abteilungen von hinten an, seine Leute bliesen die Trompeten und beteten laut.

5,34 Sobald das Heer des Timotheus merkte, daß es der Makkabäer war, liefen sie vor ihm davon. Er brachte ihnen eine schwere Niederlage bei, etwa achttausend Mann von ihnen fielen an diesem Tag.

5,35 Danach wandte sich Judas gegen Alema. Er griff die Stadt an und eroberte sie, erschlug die gesamte männliche Bevölkerung, ließ die Stadt plündern und brannte sie nieder.

5,36 Von dort brach er auf und eroberte Kaspin, Maked, Bosor und die übrigen Städte Gileads.

5,37 Nach diesen Ereignissen sammelte Timotheus ein neues Heer und schlug gegenüber von Rafon, jenseits der Schlucht, sein Lager auf.

5,38 Judas schickte Späher aus, die das Lager erkunden sollten. Sie meldeten ihm: Alle Völker, die rings um uns wohnen, sind zu ihm gestoßen, es ist ein gewaltiges Heer.

5,39 Auch arabische Hilfstruppen hat er angeworben. Sie haben auf der anderen Seite der Schlucht ihr Lager bezogen und stehen bereit, gegen dich zum Kampf auszurücken. Da zog Judas ihnen entgegen.

5,40 Als er sich mit seinem Heer dem Bach, der durch die Schlucht führte, näherte, sagte Timotheus zu seinen Heerführern: Wenn er zuerst über den Bach zu uns herüberkommt, können wir ihm nicht standhalten, dann wird er uns sicherlich überwältigen.

5,41 Wenn er aber Angst hat und sein Lager jenseits des Baches aufschlägt, dann gehen wir zu ihm hinüber und werden ihn überwältigen.

5,42 Als Judas sich dem Gebirgsbach genähert hatte, ließ er Heeresschreiber in der Schlucht antreten und gab ihnen den Befehl: Niemand darf hier haltmachen, sondern alle sollen zum Kampf vorrücken.

5,43 Er selbst ging als erster über den Bach, den Feinden entgegen, und alle seine Krieger folgten ihm. Und die fremden Völker wurden von ihm vernichtend geschlagen, sie warfen ihre Waffen weg und flüchteten sich in das Miqdash von Karnajim.

5,44 Aber die Juden eroberten die Stadt und verbrannten das Miqdash mit allen, die darin waren. So wurde Karnajim gedemütigt, und niemand konnte Judas mehr Widerstand leisten.

5,45 Nun sammelte Judas alle Israeliten, die in Gilead lebten, jung und alt, mit ihren Frauen und Kindern und ihrem Besitz, eine gewaltige Menschenmenge, um mit ihnen nach Judäa zu ziehen.

5,46 Sie kamen bis Efron. Diese große und stark befestigte Stadt lag auf ihrem Weg. Man konnte sie weder links noch rechts umgehen, sondern mußte mitten durch sie hindurchziehen.

5,47 Aber die Einwohner der Stadt schlossen vor ihnen die Tore und versperrten sie außerdem mit Steinen.

5,48 Da schickte Judas Unterhändler zu ihnen mit dem friedlichen Vorschlag: Wir wollen durch euer Land ziehen, um in unser Land zu kommen. Keiner wird euch etwas Böses tun, wir wollen nur durchmarschieren. Aber die Einwohner wollten ihnen die Tore nicht öffnen.

5,49 Nun ließ Judas im Heer den Befehl ausrufen, jeder solle dort Stellung beziehen, wo er gerade sei.

5,50 Da stellten sich die Krieger auf, und Judas ließ die Stadt den ganzen Tag und die ganze Nacht hindurch angreifen, bis sie fiel.

5,51 Er erschlug ihre gesamte männliche Bevölkerung mit scharfem Schwert, zerstörte die Stadt völlig und ließ sie plündern. Dann marschierte er über die Leichen der Erschlagenen hinweg durch die Stadt.

5,52 Sie überquerten den Jordan in der großen Ebene gegenüber von Bet-Schean.

5,53 Judas sorgte dafür, daß die Nachzügler zusammenblieben, und auf dem ganzen Weg sprach er den Leuten Mut zu, bis sie Judäa erreichten.

5,54 Dann zogen sie mit Jubel und Freude zum Berg Zion hinauf und brachten dort Brandopfer dar, denn keiner von ihnen war gefallen, alle waren wohlbehalten heimgekehrt.

5,55 Zu der Zeit, als Judas und Jonatan in Gilead waren und als sein Bruder Simeon in Galiläa vor Ptolemaïs lag,

5,56 hörten die Heerführer Josef, der Sohn Secharjas, und Asarja von den kühnen Taten, die jene vollbracht hatten.

5,57 Da sagten sie: Auch wir wollen uns einen Namen machen und einen Feldzug gegen die fremden Völker ringsum führen.

5,58 Sie gaben also den Soldaten, die sie bei sich hatten, den Befehl, gegen Jamnia zu ziehen.

5,59 Aber Gorgias und seine Männer rückten ihnen aus der Stadt zum Kampf entgegen.

5,60 Josef und Asarja wurden geschlagen und bis an die Grenze von Judäa verfolgt. An jenem Tag fielen fast zweitausend aus dem Volk Israel.

5,61 Das Volk hatte eine schwere Niederlage erlitten, weil sie nicht auf Judas und seine Brüder gehört hatten, sondern sich einbildeten, auch sie könnten große Taten vollbringen.

5,62 Doch sie waren nicht aus dem Geschlecht derer, die mit der Rettung Israels beauftragt waren.

5,63 Der große Judas und seine Brüder dagegen erwarben sich hohen Ruhm bei ganz Israel und bei allen Völkern, überall wo ihr Name bekannt wurde.

5,64 Die Leute kamen herbei, um sie zu beglückwünschen.

5,65 Judas und seine Brüder zogen auch zum Kampf gegen die Nachkommen Esaus im Süden. Er schlug Hebron und seine Tochterstädte, eroberte ihre Festungen und brannte ihre Türme ringsum nieder.

5,66 Dann zog er gegen das Philisterland. Als das Heer dabei durch Marescha kam,

5,67 fielen einige Priester im Kampf. Sie waren schlecht beraten gewesen, in den Krieg zu ziehen, um Heldentaten zu vollbringen.

5,68 Dann machte Judas eine Ausweichbewegung und zog nach Aschdod im Land der Philister. Dort zerstörte er die Altäre der Philister, verbrannte ihre Götterbilder, plünderte die Städte und kehrte dann nach Judäa zurück.

6. Kapitel

6,1 König Antiochus durchzog unterdessen die östlichen Provinzen. Er hörte von einer Stadt in Persien namens Elymaïs, die berühmt war wegen ihres Reichtums an Silber und Gold.

6,2 Auch gibt es in ihr einen sehr reichen Tempel, der mazedonische König Alexander, der Sohn des Philippus, der als erster Grieche König geworden war, hatte dort goldene Schilde, Rüstungen und Waffen hinterlassen.

6,3 Antiochus marschierte also hin und versuchte, die Stadt zu erobern und zu plündern. Doch er blieb ohne Erfolg, denn die Einwohner der Stadt hatten von seinem Plan erfahren

6,4 und leisteten ihm bewaffneten Widerstand. Er mußte fluchtartig abziehen und machte sich sehr niedergeschlagen auf den Rückweg nach Babylon.

6,5 Noch in Persien erreichte ihn ein Bote mit der Nachricht, daß die Heere, die in Judäa einmarschiert waren, geschlagen worden waren.

6,6 Auch Lysias, der an der Spitze einer starken Streitmacht in den Kampf gezogen war, habe gegen die Juden eine schwere Niederlage erlitten. Deren Bewaffnung und Kampfkraft habe sich durch die große Beute, die sie bei den geschlagenen Armeen machten, verstärkt.

6,7 Den Greuel, den er auf dem Altar in Jerusalem hatte aufstellen lassen, hätten sie wieder entfernt und den Tempelbezirk wie früher mit hohen Mauern umgeben, ebenso seine Stadt Bet-Zur.

6,8 Als der König das hörte, war er bestürzt und sehr beunruhigt. Er mußte sich niederlegen, da ihn eine Schwäche befiel, so niedergeschlagen war er, weil seine Pläne gescheitert waren.

6,9 So ging es mehrere Tage. Er bekam immer neue Anfälle tiefer Schwermut und rechnete schon damit, daß er sterben müsse.

6,10 Er rief seine Freunde zusammen und sagte zu ihnen: Der Schlaf flieht meine Augen, und ich bin vor Sorgen zusammengebrochen.

6,11 Ich habe mich gefragt: Wie bin ich nur in diese große Not und Bedrängnis geraten, in der ich mich jetzt befinde? Ich war während meiner Regierung doch immer leutselig und beliebt.

6,12 Jetzt fallen mir die bösen Dinge ein, die ich in Jerusalem getan habe. Ich habe dort alle Geräte aus Silber und Gold mitgenommen, ja, ich habe ohne Grund den Auftrag gegeben, die Bewohner Judäas auszurotten.

6,13 Deswegen ist dieses Unglück über mich gekommen, das weiß ich jetzt. Und nun sterbe ich ganz verzweifelt in einem fremden Land.

6,14 Er rief Philippus, einen seiner Freunde, zu sich und setzte ihn als Herrscher über sein ganzes Königreich ein.

6,15 Er überreichte ihm das königliche Diadem, sein Gewand und seinen Siegelring und gab ihm den Auftrag, seinen Sohn Antiochus anzuleiten und zu erziehen, bis er die Regierung übernehmen könne.

6,16 Dann starb König Antiochus dort im Jahr 149.

6,17 Als Lysias erfuhr, daß der König tot war, setzte er als dessen Nachfolger seinen Sohn Antiochus ein, dessen Erziehung ihm während seiner Minderjährigkeit oblag, und gab ihm den Beinamen Eupator.

6,18 Die Besatzung der Burg in Jerusalem schloß die Israeliten, die im Tempel waren, von allen Seiten ein. Sie versuchte unaufhörlich, Unglück anzurichten, und die Fremden hatten an ihnen einen starken Rückhalt.

6,19 Judas faßte daher den Plan, sie zu vernichten, und berief alle wehrfähigen Männer zur Belagerung zusammen.

6,20 Sie kamen, und man begann im Jahr 150 mit der Belagerung, dabei baute man sogar Wurf- und Belagerungsmaschinen.

6,21 Einige von der Besatzung konnten den Belagerungsring durchbrechen, zu ihnen stießen mehrere Ruchlose aus Israel.

6,22 Sie begaben sich zum König und sagten: Wie lange zögerst du, uns unser Recht zu verschaffen und für unsere Brüder Rache zu nehmen?

6,23 Wir haben deinem Vater bereitwillig gedient, wir haben so gelebt, wie er es sagte, und haben seine Anordnungen befolgt.

6,24 Deswegen sind uns unsere eigenen Landsleute fremd geworden, ja, sie haben jeden von uns, den sie fanden, umgebracht und haben unseren Besitz geraubt.

6,25 Doch nicht allein gegen uns haben sie die Hand erhoben, sondern auch gegen alle ihre Nachbarn.

6,26 Jetzt sind sie sogar vor die Burg von Jerusalem gezogen, um sie zu erobern, außerdem haben sie den Tempel und Bet-Zur befestigt.

6,27 Wenn du ihnen nicht bald zuvorkommst, werden sie noch mehr unternehmen, und du wirst sie nicht mehr aufhalten können.

6,28 Als der König das hörte, wurde er zornig. Er ließ alle seine Freunde zu sich kommen, sowohl die Anführer des Fußvolks als auch die der Reiterei.

6,29 Auch aus anderen Reichen und von den Inseln kamen Söldnertruppen zu ihm.

6,30 Im ganzen bestand sein Heer aus hunderttausend Mann Fußvolk, zwanzigtausend Reitern und zweiunddreißig Kriegselefanten.

6,31 Sie zogen durch Idumäa und belagerten Bet-Zur. Der Kampf zog sich lange hin. Sie bauten auch Belagerungsmaschinen, die Belagerten machten jedoch einen Ausfall, verbrannten sie und schlugen sich tapfer.

6,32 Da zog Judas von der Burg in Jerusalem ab und schlug dem königlichen Heer gegenüber bei Bet-Sacharja sein Lager auf.

6,33 Am nächsten Morgen ließ der König das Heer in aller Frühe aufbrechen und in einem Eilmarsch nach Bet-Sacharja marschieren. Die Truppen schwärmten aus, und man stieß in die Trompeten.

6,34 Den Elefanten hielt man den Saft von Trauben und Maulbeeren vor, um sie zum Kampf zu reizen.

6,35 Darauf verteilte man die Tiere auf die einzelnen Abteilungen. Zu jedem Elefanten stellten sie tausend Mann, diese hatten Kettenpanzer an und auf dem Kopf bronzene Helme. Außerdem waren jedem Tier fünfhundert ausgesuchte Reiter zugeordnet,

6,36 sie hatten sich schon vorher immer bei den Tieren aufgehalten und waren ihnen überall gefolgt, wohin sie auch gingen.

6,37 Jedes Tier trug einen befestigten, gut gesicherten Turm aus Holz, der kunstfertig angeschnallt war, dazu vier Soldaten, die von dem Turm aus kämpften, sowie seinen indischen Lenker.

6,38 Die übrige Reiterei stellte der König außen an die beiden Flügel des Heeres, um die Gegner zu beunruhigen und die eigenen Reihen zu decken.

6,39 Als die Sonne sich in den goldenen und ehernen Schilden brach, da strahlten die Berge wider und leuchteten auf wie brennende Fackeln.

6,40 Ein Teil des königlichen Heeres stellte sich oben auf den Bergen, ein anderer unten in der Ebene auf. Dann begannen sie, sicher und geordnet vorzurücken.

6,41 Da zitterten alle, die das Getöse der Menge hörten und sahen, wie die Massen aufmarschierten und die Waffen aneinanderschlugen, denn es war ein gewaltig großes und starkes Heer.

6,42 Judas rückte mit seinen Truppen ebenfalls vor, und es kam zum Kampf, dabei fielen vom Heer des Königs sechshundert Mann.

6,43 Eleasar Awaran sah einen Elefanten, dessen Panzer königlichen Schmuck trug und der alle anderen Tiere überragte. Da er glaubte, darauf sitze der König,

6,44 opferte er sich, um sein Volk zu retten und sich ewigen Ruhm zu erwerben.

6,45 Er lief mutig auf ihn zu, mitten in die feindliche Schlachtreihe hinein, teilte nach links und rechts tödliche Hiebe aus und schlug sich eine Bresche durch die Reihen.

6,46 So drang er bis zu dem Elefanten vor, stellte sich unter ihn und durchbohrte ihn. Das Tier brach zusammen und fiel auf ihn, so daß er erdrückt wurde.

6,47 Als die Juden die Stärke und das Ungestüm der königlichen Truppen sahen, wichen sie ihnen aus.

6,48 Die Truppen des königlichen Heeres rückten daraufhin nach Jerusalem hinauf, um die Juden dort zum Kampf zu stellen. Der König schlug in Judäa und am Berg Zion ein Lager auf.

6,49 Mit der Besatzung von Bet-Zur schloß er Frieden, und sie verließ die Stadt. Dort waren nämlich während der Belagerung die Nahrungsmittel ausgegangen, denn man beging im Land ein Shabbatjahr.

6,50 Der König ließ Bet-Zur besetzen und legte eine Garnison hinein, um es zu sichern.

6,51 Dann belagerte er viele Tage lang den Tempel. Er ließ Wurf- und Belagerungsmaschinen, auch Brand- und Steinschleudern aufstellen, dazu Armbrüste für Pfeile und kleinere Schleudermaschinen.

6,52 Aber die Juden bauten ebenfalls Maschinen, und der Kampf zog sich lange hin.

6,53 Doch die Vorratsräume waren leer, weil das Jahr ein siebtes Jahr war, zudem hatten die, die man bei den fremden Völkern gerettet und nach Judäa gebracht hatte, den Rest der Vorräte aufgebraucht.

6,54 Die Besatzung litt daher Hunger, und die Truppen liefen auseinander, jeder ging nach Hause, nur wenige Männer blieben beim Tempel zurück.

6,55 Da hörte Lysias, Philippus, den König Antiochus noch zu seinen Lebzeiten zum Erzieher seines Sohnes Antiochus bestimmt hatte, bis dieser die Regierung antreten könne,

6,56 sei aus Persien und Medien zurückgekehrt, zusammen mit den Truppen, die den (verstorbenen) König begleitet hatten, er versuche, die Regierung an sich zu bringen.

6,57 Daher entschloß sich Lysias, möglichst rasch abzuziehen, er sagte zum König, zu den Offizieren und den Soldaten: Unsere Lage wird von Tag zu Tag schwieriger. Es gibt wenig zu essen, und der Ort, den wir belagern, ist stark befestigt. Überdies ruht auf uns die Sorge um das Reich.

6,58 Reichen wir darum diesen Leuten die Hand und schließen wir Frieden mit ihnen und ihrem ganzen Volk!

6,59 Wir wollen ihnen zugestehen, daß sie wie früher nach ihren Gesetzen leben können. Denn weil wir ihre Gesetze abschaffen wollten, haben sie sich gegen uns aufgelehnt und all das getan.

6,60 Der König und die Heerführer waren mit diesem Vorschlag einverstanden, er ließ den Juden Frieden anbieten, und sie nahmen ihn an.

6,61 Der König und die Heerführer leisteten ihnen einen Eid, darauf verließen die Juden die Festung.

6,62 Aber als der König den Berg Zion betrat und sah, wie stark der Ort befestigt war, brach er den Eid, den er geschworen hatte, und gab den Befehl, die Mauer ringsum einzureißen.

6,63 Dann zog er in Eilmärschen ab und kehrte nach Antiochia zurück. Er fand die Stadt im Besitz des Philippus, eröffnete den Kampf gegen ihn und nahm die Stadt mit Gewalt.

7. Kapitel

7,1 Im Jahr 151 floh Demetrius, der Sohn des Seleukus, aus Rom, landete mit nur wenigen Männern in einer Stadt am Meer und rief sich dort zum König aus.

7,2 Als er in den Palast seiner Väter einzog, nahmen die Truppen Antiochus und Lysias fest, um sie ihm auszuliefern.

7,3 Das wurde ihm mitgeteilt, er aber sagte: Ich will ihr Gesicht nicht sehen.

7,4 Da brachten die Truppen die beiden um, und Demetrius setzte sich auf den Thron seines Reiches.

7,5 Alle Gesetzlosen und Frevler aus Israel kamen zu ihm. Ihr Anführer war Alkimus, der Hoherpriester werden wollte.

7,6 Sie verklagten das Volk beim König und sagten: Judas und seine Brüder haben alle deine Freunde umgebracht und uns aus unserer Heimat vertrieben.

7,7 Schick darum einen Mann, dem du vertraust, er soll kommen und sich das ganze Unglück ansehen, das sie uns und dem Land des Königs zugefügt haben. Dann soll er sie und alle, die sie unterstützen, bestrafen.

7,8 Der König wählte Bakchides, einen der Freunde des Königs, er hatte den Befehl jenseits des Stroms, galt viel im Reich und war dem König treu ergeben.

7,9 Mit ihm schickte er den ruchlosen Alkimus, den er als Hohenpriester einsetzte, und gab ihm den Auftrag, an den Israeliten Vergeltung zu üben.

7,10 Sie brachen mit einem großen Heer auf und zogen nach Judäa. Er schickte Boten an Judas und seine Brüder und bot ihnen mit hinterlistigen Worten Frieden.

7,11 Doch diese glaubten ihnen nicht, denn sie sahen, daß sie mit einem großen Heer gekommen waren.

7,12 Eine Gruppe von Schriftgelehrten ging indessen gemeinsam zu Alkimus und Bakchides, um eine gerechte Lösung zu suchen.

7,13 Auch bemühten sich die Hasidäer, als erste von den Israeliten, bei ihnen um Frieden.

7,14 Sie sagten sich nämlich: Ein Priester aus der Familie des Aaron ist zusammen mit den Truppen hergekommen, er wird uns nichts Böses tun.

7,15 Alkimus unterhielt sich auch friedlich mit ihnen, ja, er schwor ihnen: Wir werden euch und euren Freunden kein Leid zufügen.

7,16 Sie glaubten ihm, er aber ließ sechzig von ihnen festnehmen und noch am selben Tag hinrichten, genau wie geschrieben steht:

7,17 Die Leichen deiner Frommen haben sie rings um Jerusalem zerstreut, und ihr Blut haben sie vergossen, und keiner hat sie begraben.

7,18 Da begann das ganze Volk, sich vor ihnen zu fürchten und zu zittern. Man sagte: Bei ihnen gibt es weder Treue noch Recht; denn sie haben den Vertrag gebrochen trotz des Eides, den sie geschworen haben.

7,19 Bakchides marschierte von Jerusalem nach Bet-Sajit und schlug dort sein Lager auf. Er ließ viele von den Männern, die zu ihm übergelaufen waren, festnehmen, dazu auch einige Männer aus dem Volk, und befahl, sie an der großen Zisterne niederzumetzeln.

7,20 Er übergab das Land dem Alkimus und ließ zu seiner Unterstützung einen Teil der Truppen zurück. Dann kehrte Bakchides zum König zurück.

7,21 Alkimus aber kämpfte um das Hohepriesteramt.

7,22 Alle Unruhestifter im Volk sammelten sich um ihn, sie rissen die Macht über Judäa an sich und stürzten Israel tief ins Unglück.

7,23 Judas sah all das Unglück, das Alkimus und seine Anhänger bei den Israeliten anrichteten, sie waren schlimmer als die Ausländer.

7,24 Da brach er auf, zog durch das Gebiet von ganz Judäa und übte an den Überläufern Vergeltung, so daß sie sich nicht mehr frei im Land bewegen konnten.

7,25 Alkimus merkte, daß Judas und seine Leute an Macht gewannen, und da er einsah, daß er ihnen nicht gewachsen war, wandte er sich wieder an den König und brachte schwere Anklagen gegen sie vor.

7,26 Da schickte der König einen seiner bedeutendsten Anführer, Nikanor, der ein erbitterter Gegner Israels war, er trug ihm auf, das Volk zu vernichten.

7,27 Nikanor kam mit einem großen Heer nach Jerusalem. Er schickte Boten zu Judas und seinen Brüdern und sprach hinterlistig von Frieden. Er sagte:

7,28 Ich will keinen Krieg mit euch. Darum will ich mich in Begleitung von nur ein paar Leuten in aller Freundschaft mit euch treffen, um über den Frieden zu reden.

7,29 Er kam auch zu Judas, und sie begrüßten einander freundschaftlich. Seine Soldaten hielten sich indessen bereit, den Judas zu verschleppen.

7,30 Judas aber erfuhr, daß er in böser Absicht gekommen war. Da wurde er vorsichtig und wollte nicht mehr mit ihm zusammenkommen.

7,31 Nun merkte Nikanor, daß sein Plan entdeckt worden war, und er zog aus, um Judas bei Kafar-Salama zum Kampf zu stellen.

7,32 Aber fast fünfhundert von den Leuten des Nikanor fielen, und seine Soldaten mußten sich in die Davidstadt flüchten.

7,33 Nach diesen Ereignissen ging Nikanor zum Berg Zion hinauf. Aus dem Tempelbezirk kamen ihm Priester und Älteste des Volkes entgegen, um ihn friedlich zu begrüßen und ihm das Opfer zu zeigen, das man für den König darbrachte.

7,34 Er aber verhöhnte und verspottete sie und machte sie unrein. Er prahlte

7,35 und schwor voller Zorn: Wenn Judas und sein Heer mir nicht sofort ausgeliefert werden, dann stecke ich dieses Haus in Brand, sobald ich gesund zurück bin. Dann ging er wütend weg.

7,36 Die Priester gingen wieder hinein, stellten sich vor den Altar und den Tempel, weinten und sagten:

7,37 Du hast dieses Haus erwählt, damit dein Name darüber ausgerufen werde, es sollte für dein Volk ein Haus des Betens und Flehens sein.

7,38 Übe Vergeltung an diesem Menschen und an seinem Heer! Sie sollen unter dem Schwert fallen. Denk an ihre Lästerungen, und laß sie nicht weiterleben!

7,39 Nikanor verließ Jerusalem und schlug in Bet-Horon sein Lager auf, dort stieß eine Abteilung Soldaten aus Syrien zu ihm.

7,40 Judas dagegen hatte mit dreitausend Mann sein Lager bei Hadascha, und er betete:

7,41 Damals, als die Leute des Königs von Assur über dich gelästert hatten, kam dein Engel und erschlug hundertfünfundachtzigtausend von ihnen.

7,42 Schlag heute dieses Heer vor unseren Augen genauso, damit die, die von ihnen übrig bleiben, erkennen, daß Nikanor schlimme Worte gegen dein Miqdash ausgestoßen hat. Richte ihn, wie es sein Verbrechen verdient.

7,43 Am Dreizehnten des Monats Adar stießen die Heere aufeinander, und das Heer des Nikanor wurde vernichtend geschlagen, er selbst fiel als erster im Kampf.

7,,44 Als sein Heer sah, daß Nikanor gefallen war, warfen sie die Waffen weg und flohen.

7,45 Die Juden verfolgten sie einen Tagesmarsch weit, von Hadascha bis nach Geser, und bliesen mit den Signaltrompeten hinter ihnen her.

7,46 Aus allen umliegenden Dörfern Judäas kamen die Männer heraus und umzingelten die Flüchtenden. Da wandten sich die Feinde gegeneinander, und alle fielen unter dem Schwert, nicht einer von ihnen blieb übrig.

7,47 Die Juden nahmen ihnen ihre Ausrüstungen weg und machten reiche Beute. Dem Nikanor schlugen sie den Kopf ab und ebenso die rechte Hand, die er so vermessen ausgestreckt hatte, sie brachten beides nach Jerusalem und hängten es dort öffentlich auf.

7,48 Im Volk herrschte große Freude, sie begingen diesen Tag als einen großen Festtag

7,49 und beschlossen, den dreizehnten Adar künftig jedes Jahr zu feiern. Danach hatte Judäa für kurze Zeit Ruhe.

8. Kapitel

8,1 Judas hörte, wie man von den Römern erzählte, sie seien geübt im Kriegführen, erwiesen allen, die zu ihnen hielten, Wohlwollen und schlössen Freundschaft mit jedem, der sie darum bitte. Sie seien in der Tat kriegstüchtige Männer.

8,2 Man berichtete ihm auch von ihren Feldzügen und von ihren kühnen Unternehmungen gegen die Galater, die sie unterworfen und tributpflichtig gemacht hatten,

8,3 ebenso von ihren Taten in Spanien: Dort hatten sie die Silber- und Goldbergwerke erobert

8,4 und durch ihre Klugheit und Ausdauer das ganze Land an sich gebracht, obgleich es von ihnen weit entfernt liegt. Die Könige, die vom Ende der Welt gegen sie herangezogen waren, hatten sie besiegt und ihnen eine vernichtende Niederlage beigebracht, die übrigen mußten ihnen jährlich Tribut zahlen.

8,5 Philippus und Perseus, die Könige der Kittäer, und alle anderen, die sich gegen sie auflehnten, hatten sie im Krieg vernichtend geschlagen und unterworfen.

8,6 Als Antiochus, der Großkönig von Asien, mit hundertzwanzig Elefanten, mit Reiterei, Streitwagen und einem gewaltigen Heer gegen sie zum Kampf auszog, wurde er von ihnen vernichtend geschlagen.

8,7 Sie nahmen ihn lebendig gefangen und erlegten ihm und seinen Nachfolgern einen hohen Tribut auf, er mußte Geiseln stellen und einen Teil seines Gebietes abtreten.

8,8 Sie nahmen ihm die Provinzen Indien, Medien und Lydien ab, einige der besten Länder, die er besaß, und schenkten sie dem König Eumenes.

8,9 Als die Bewohner von Griechenland den Plan faßten, in den Krieg zu ziehen, um die Römer zu vernichten,

8,10 wurde diesen die Sache bekannt. Sie schickten nur einen einzigen Befehlshaber aus, um gegen sie Krieg zu führen. Von den Griechen wurden viele verwundet und kamen um. Die Römer führten ihre Frauen und Kinder gefangen weg, plünderten ihre Habe und nahmen das Land in Besitz, sie schleiften ihre Festungen und machten sich die Griechen untertan, so ist es geblieben bis auf den heutigen Tag.

8,11 Auch alle anderen Reiche und die Inseln, die sich irgendwann gegen sie erhoben, hatten sie besiegt und sich untertan gemacht.

8,12 Ihren Freunden aber und allen, die sich auf sie verließen, hielten sie die Freundschaft. Sie unterwarfen die Könige nah und fern, und wer ihren Namen hörte, hatte Angst vor ihnen.

8,13 Wem sie aber zur Herrschaft verhelfen wollen, der wird König, und ebenso setzen sie ab, wen sie wollen. Auf diese Weise sind sie sehr groß geworden.

8,14 Bei all dem setzt sich keiner von ihnen eine Krone auf oder legt Purpurgewänder an, um damit zu prunken.

8,15 Vielmehr haben sie sich eine Ratsversammlung (den Senat) geschaffen, und jeden Tag halten dreihundertundzwanzig Ratsherren darüber Rat, wie das Volk gut zu regieren sei.

8,16 Einem einzigen Mann übertragen sie vertrauensvoll für ein Jahr die Regierung über sich und die Herrschaft über ihr ganzes Land. Alle gehorchen dem einen, ohne daß es Neid oder Eifersucht unter ihnen gibt.

8,17 Judas wählte Eupolemus, den Sohn Johanans und Enkel des Koz, aus, sowie Jason, den Sohn Eleasars, und schickte sie nach Rom, um mit den Römern ein Freundschafts- und Waffenbündnis zu schließen,

8,18 damit das Joch von Judäa genommen werde, denn die Römer sahen ja, wie die Könige der Griechen Israel in Knechtschaft hielten.

8,19 Sie reisten also nach Rom - es war ein sehr weiter Weg -, traten vor den Senat und sagten:

8,20 Judas, der Makkabäer, seine Brüder und das jüdische Volk haben uns zu euch geschickt. Wir wollen mit euch ein Friedensbündnis schließen und als eure Bundesgenossen und Freunde eingeschrieben werden.

8,21 Der Senat war mit dem Vorschlag einverstanden.

8,22 Dies ist eine Abschrift der Urkunde, die sie auf Bronzetafeln aufzeichnen und nach Jerusalem schicken ließen, damit die Erinnerung an das Friedensbündnis ständig gegenwärtig bleibe:

8,23 Den Römern und dem jüdischen Volk soll es zu Wasser und zu Land immer wohl ergehen, Schwert und Feind mögen ihnen fern bleiben.

8,24 Wenn Rom oder irgendeinem seiner Bundesgenossen in seinem ganzen Machtbereich zuerst ein Krieg droht,

8,25 wird das jüdische Volk, je nachdem es die Lage erfordert, bereitwillig mit in den Kampf ziehen.

8,26 Den Kriegführenden brauchen keine Nahrungsmittel, keine Waffen, kein Geld und auch keine Schiffe geliefert zu werden, wenn Rom es so für richtig hält. Sie werden ihren Verpflichtungen ohne Gegenleistung nachkommen.

8,27 Ebenso werden die Römer, wenn das jüdische Volk zuerst in einen Krieg verwickelt wird, bereitwillig mitkämpfen, je nach den Umständen.

8,28 Den Bundesgenossen brauchen keine Nahrungsmittel, Waffen, kein Geld und auch keine Schiffe geliefert zu werden, wenn Rom es so für richtig hält, sie werden ihren Verpflichtungen ohne Hinterlist nachkommen.

8,29 Das ist der Wortlaut des Vertrags, den die Römer mit dem Volk der Juden geschlossen haben.

8,30 Wenn später die beiden Parteien etwas hinzufügen oder streichen wollen, können sie es nach ihrem Belieben tun. Die Zusätze oder Streichungen werden gültig sein.

8,31 Dem König Demetrius aber haben wir geschrieben wegen des Unrechts, das er den Juden zugefügt hat: Warum lastet dein Joch so schwer auf unseren Freunden und Bundesgenossen, den Juden?

8,32 Wenn sie jetzt noch einmal deinetwegen vorstellig werden, verhelfen wir ihnen zu ihrem Recht und führen gegen dich Krieg zu Wasser und zu Land.

9. Kapitel

9,1 Demetrius erfuhr, daß Nikanor und sein Heer im Kampf gefallen waren. Da schickte er Bakchides und Alkimus zum zweitenmal nach Judäa und gab ihnen die im Süden stehende Armee mit.

9,2 Sie nahmen den Weg nach Gilgal, schlugen vor Mesalot in der Gegend von Arbela ihr Lager auf, eroberten die Stadt und brachten viele Menschen um.

9,3 Im ersten Monat des Jahres 152 schlugen sie ihr Lager bei Jerusalem auf.

9,4 Von dort zogen sie mit zwanzigtausend Mann und zweitausend Reitern nach Berea.

9,5 Judas aber hatte mit dreitausend ausgewählten Soldaten sein Lager bei Elasa.

9,6 Als die Juden die Übermacht der feindlichen Truppen sahen, bekamen sie große Angst. Viele liefen aus dem Lager fort, so daß am Ende nur noch achthundert Mann übrig waren.

9,7 Judas sah, daß sich sein Heer auflöste, während der Kampf unmittelbar bevorstand. Er wurde sehr bestürzt, denn er hatte keine Zeit mehr, seine Leute wieder zusammenzubringen.

9,8 Niedergeschlagen sagte er zu denen, die noch da waren: Auf! Wir wollen gegen unsere Feinde hinaufziehen. Vielleicht können wir doch gegen sie kämpfen.

9,9 Sie aber widersprachen ihm und sagten: Es ist unmöglich. Wir wollen lieber jetzt unser Leben retten und dann mit unseren Brüdern zurückkommen und gegen sie kämpfen. Wir sind zu wenige.

9,10 Judas antwortete: Auf keinen Fall werde ich vor ihnen fliehen. Wenn unsere Zeit gekommen ist, dann wollen wir für unsere Brüder tapfer in den Tod gehen, auf unsere Ehre soll kein Schatten fallen.

9,11 Da rückte das feindliche Heer aus seinem Lager aus und bezog ihnen gegenüber Stellung, die Reiterei wurde in zwei Gruppen geteilt, die Schleuderer und Bogenschützen gingen vor der Streitmacht her, ebenso die Reihe der tapferen Vorkämpfer.

9,12 Bakchides war auf dem rechten Flügel. Die beiden Flügel der Schlachtreihe näherten sich, und man blies die Trompeten. Auch die Leute des Judas stießen in die Trompeten.

9,13 Die Erde bebte vor dem Getöse, das die Heere machten, und vom Morgen bis zum Abend dauerte der Kampf Mann gegen Mann.

9,14 Als Judas bemerkte, daß Bakchides mit dem Kern seiner Truppe rechts stand, scharten sich alle tapferen Männer um ihn,

9,15 und der rechte Flügel der Feinde wurde von ihnen vernichtend geschlagen, sie verfolgten sie bis zum Gebirge von Aschdod.

9,16 Als die Truppen auf dem linken Flügel sahen, daß der rechte geschlagen war, schwenkten sie um und folgten den Spuren des Judas und seiner Leute.

9,17 Es entwickelte sich ein erbitterter Kampf, in dem beide Seiten schwere Verluste erlitten.

9,18 Auch Judas fiel, die übrigen flohen.

9,19 Jonatan und Simeon holten ihren Bruder und bestatteten ihn im Grab seiner Väter in Modeïn.

9,20 Ganz Israel beweinte ihn und hielt um ihn eine große Totenklage ab. Sie trauerten viele Tage lang und sagten:

9,21 Ach, der Held ist gefallen, Israels Retter.

9,22 Die übrige Geschichte des Judas, seine anderen Feldzüge und kühnen Unternehmungen, die er durchführte, und seine sonstigen großen Taten - all das ist hier nicht erwähnt worden, es wäre zu viel geworden.

9,23 Nach dem Tod des Judas erhoben die Abtrünnigen in allen Teilen Israels wiederum ihr Haupt, und alle Übeltäter wagten sich wieder ans Licht.

9,24 In jenen Tagen gab es eine furchtbare Hungersnot, wie die Verräter, so wurde auch das Land untreu.

9,25 Bakchides wählte die abtrünnigen Männer aus und machte sie zu Herren des Landes.

9,26 Diese spürten die Anhänger des Judas auf, verhörten sie und brachten sie zu Bakchides. Er nahm Rache an ihnen und ließ sie mißhandeln.

9,27 Große Bedrängnis herrschte in Israel, wie seit den Tagen der Propheten nicht mehr.

9,28 Da kamen alle Anhänger des Judas zusammen und sagten zu Jonatan:

9,29 Seit dein Bruder Judas tot ist, gibt es keinen mehr, der gegen die Feinde, gegen Bakchides und gegen die Gegner unseres Volkes in den Krieg zieht, wie er es getan hat.

9,30 Darum haben wir dich heute gewählt. So wie er sollst du uns anführen und leiten in unserem Kampf.

9,31 Jonatan übernahm also die Führung und trat die Nachfolge seines Bruders Judas an.

9,32 Bakchides erfuhr davon und trachtete ihm nach dem Leben.

9,33 Als Jonatan und sein Bruder Simeon mit ihrer ganzen Gefolgschaft das hörten, flohen sie in die Wüste von Tekoa und hielten sich bei der mit Wasser gefüllten Zisterne von Asfar auf.

9,34 [Aber Bakchides erfuhr davon, und zwar am Shabbat, er ging mit all seinen Leuten auf die andere Seite des Jordan.]

9,35 Er schickte seinen Bruder Johanan an der Spitze seiner Truppe zu den mit ihm befreundeten Nabatäern und ließ sie bitten, ihr zahlreiches Gepäck bei ihnen aufbewahren zu dürfen.

9,36 Doch die Söhne Jambris aus Medeba zogen aus, ergriffen Johanan mit allem, was er bei sich hatte, und nahmen ihn mit.

9,37 Darauf meldete man Jonatan und seinem Bruder Simeon: Die Söhne Jambris wollen eine große Hochzeit veranstalten und die Braut, die Tochter eines der vornehmen Herren Kanaans, in einem großen Festzug aus Nadabat heimführen.

9,38 Da dachten sie daran, daß die Söhne Jambris das Blut ihres Bruders Johanan vergossen hatten, sie zogen hinauf und versteckten sich im Gebirge.

9,39 Plötzlich sahen sie einen lärmenden Zug mit viel Gepäck daherziehen. Der Bräutigam, seine Freunde und seine Brüder kamen ihnen mit Pauken, Liedern und in starker Bewaffnung entgegen.

9,40 Sie fielen aus dem Hinterhalt über sie her und richteten unter ihnen ein Blutbad an, viele wurden erschlagen, die übrigen flohen ins Gebirge. Ihre ganze Habe nahmen sie als Beute mit.

9,41 Da wurde die Hochzeit zur Trauerfeier und der Klang ihrer Lieder zur Totenklage.

9,42 Auf diese Weise rächten sie das Blut ihres Bruders, dann kehrten sie in das Dickicht am Jordan zurück.

9,43 Als Bakchides davon erfuhr, kam er am Shabbat mit einem großen Heer an das Ufer des Jordan.

9,44 Jonatan sagte zu seinen Leuten: Kommt, wir müssen um unser Leben kämpfen. Noch nie waren wir in einer solchen Lage.

9,45 Die Feinde haben uns eingeschlossen, auf beiden Seiten ist das Wasser des Jordan mit seinen Sümpfen und seinem Dickicht. Wir können nicht ausweichen.

9,46 Darum schreit laut zum Himmel, damit ihr aus der Hand eurer Feinde gerettet werdet.

9,47 Darauf begann der Kampf Mann gegen Mann. Jonatan holte aus, um Bakchides zu erschlagen, der aber konnte ihm ausweichen.

9,48 Dann sprangen Jonatan und seine Leute in den Jordan und schwammen ans andere Ufer. Die Feinde aber setzten ihnen nicht über den Jordan nach.

9,49 Vom Heer des Bakchides fielen an jenem Tag ungefähr tausend Mann.

9,50 Bakchides kehrte nach Jerusalem zurück. Er legte in Judäa befestigte Städte an: die Festungen bei Jericho, Emmaus, Bet-Horon, Bet-El, Timna, Faraton und Tefon. Er versah sie mit hohen Mauern und Toren, an den Toren brachte er Querbalken zum Verriegeln an.

9,51 Dann legte er Besatzungen hinein, die das Volk Israel im Zaum halten sollten.

9,52 Auch in den Städten Bet-Zur und Geser und an der Burg von Jerusalem ließ er Befestigungsarbeiten ausführen und Truppen und Proviant hineinbringen.

9,53 Von den Männern, die eine führende Stellung im Land innehatten, nahm er die Söhne als Geiseln und hielt sie in der Burg von Jerusalem gefangen.

9,54 Im zweiten Monat des Jahres 153 befahl Alkimus, die Mauer des inneren Tempelvorhofs einzureißen. Er ließ mit den Abbrucharbeiten beginnen, um zu zerstören, was die Propheten erbaut hatten.

9,55 Doch dann wurde Alkimus vom Schlag getroffen, und sein Plan wurde nicht ausgeführt. Er konnte den Mund nicht mehr öffnen, er war gelähmt und konnte kein Wort mehr sagen, nicht einmal mehr sein Testament machen.

9,56 Wenig später starb Alkimus unter großen Qualen.

9,57 Als Bakchides sah, daß Alkimus tot war, kehrte er zum König zurück, und Judäa hatte zwei Jahre lang Ruhe.

9,58 Danach kamen alle Verräter zu einer Beratung zusammen. Sie sagten: Jonatan und seine Anhänger leben sorglos in ihren Häusern und fühlen sich sicher. Wenn wir jetzt Bakchides kommen lassen, kann er alle in einer einzigen Nacht festnehmen.

9,59 Sie gingen also zu ihm und besprachen sich mit ihm.

9,60 Bakchides machte sich mit einem großen Heer auf den Weg. Er schickte heimlich Briefe an alle seine Verbündeten in Judäa mit der Aufforderung, Jonatan und seine Anhänger gefangenzunehmen. Aber es gelang ihnen nicht, denn ihr Vorhaben war bekannt geworden.

9,61 Statt dessen ließ Jonatan von den im Land wohnenden Männern, die für den verbrecherischen Anschlag verantwortlich waren, fünfzig ergreifen und töten.

9,62 Dann setzten sich Jonatan und Simeon mit ihren Anhängern in die Wüste nach Bet-Basi ab. Jonatan ließ dort alles wieder aufbauen, was in Trümmern lag, und befestigte den Ort.

9,63 Als Bakchides davon erfuhr, zog er alle seine Truppen zusammen und erteilte den Leuten von Judäa entsprechende Anweisungen.

9,64 Er rückte gegen Bet-Basi vor und schlug dort sein Lager auf. Er ließ Belagerungsmaschinen aufstellen und berannte den Ort viele Tage lang.

9,65 Da ließ Jonatan seinen Bruder Simeon in der Stadt zurück, er selbst ging mit einer Handvoll Leute in die Dörfer der Umgebung.

9,66 Dabei schlug er den Odomera und seine Sippe, auch überfiel er ein Zeltlager des Stammes Fasiron. Sie begannen zu siegen und rückten verstärkt wieder hinauf.

9,67 Simeon aber machte mit seinen Leuten einen Ausfall aus der Stadt und steckte die Belagerungsmaschinen in Brand.

9,68 Bakchides wurde von ihnen angegriffen und vernichtend geschlagen. Sie bereiteten ihm großen Verdruß, weil das von ihm geplante Unternehmen zu einem völligen Fehlschlag wurde.

9,69 Da wurde Bakchides sehr wütend über die Verräter, die ihm den Rat gegeben hatten, in das Land zu kommen. Er brachte viele von ihnen um und beschloß, in sein Land zurückzukehren.

9,70 Sobald Jonatan davon hörte, schickte er Gesandte zu ihm, um einen Friedensvertrag mit ihm abzuschließen und die Gefangenen freizubekommen.

9,71 Bakchides nahm die Vorschläge Jonatans an und schwor ihm, nie wieder in seinem Leben etwas gegen ihn zu unternehmen.

9,72 Auch ließ er die Gefangenen frei, die er vorher in Judäa gemacht hatte. Dann zog er ab und kehrte nach Hause zurück. Judäa betrat er nie wieder.

9,73 Darauf ruhten in Israel die Waffen. Jonatan ließ sich in Michmas nieder und begann, als Richter über das Volk zu herrschen. Die Frevler in Israel aber rottete er aus.

10. Kapitel

10,1 Im Jahr 160 zog Alexander Epiphanes, der Sohn des Antiochus, gegen Ptolemaïs und besetzte es. Die Einwohner nahmen ihn auf, und er trat dort die Herrschaft an.

10,2 Als König Demetrius das hörte, sammelte er viele Truppen und zog gegen ihn in den Kampf.

10,3 An Jonatan schickte Demetrius einen Brief mit Friedensbeteuerungen und versprach ihm hohe Würden.

10,4 Denn er dachte: Wir wollen schnell mit ihm Frieden schließen, bevor er sich mit Alexander gegen uns verbündet.

10,5 Sonst erinnert er sich nämlich an all das Unglück, das wir ihm, seinen Brüdern und seinem Volk angetan haben.

10,6 Er gab Jonatan die Vollmacht, Truppen auszuheben und als seine Verbündeten auszurüsten. Auch versprach er, die in der Burg von Jerusalem festgehaltenen Geiseln freizulassen.

10,7 Jonatan kam nach Jerusalem und las den Brief der ganzen Bevölkerung und der Besatzung der Burg laut vor.

10,8 Als sie hörten, daß er vom König die Vollmacht erhalten hatte, Truppen auszuheben, bekamen sie große Angst.

10,9 Die Besatzung der Burg lieferte dem Jonatan die Geiseln aus, und er gab sie ihren Eltern zurück.

10,10 Jonatan ließ sich in Jerusalem nieder und begann in der Stadt mit Bauarbeiten und Ausbesserungen.

10,11 Er gab den Handwerkern den Auftrag, den Berg Zion und die Stadtmauern mit Quadersteinen zu befestigen. Das führten sie auch aus.

10,12 Darauf flohen die Fremden aus den Festungen, die Bakchides erbaut hatte.

10,13 Sie machten sich alle davon und kehrten nach Hause zurück.

10,14 Nur in Bet-Zur blieben von denen, die vom Gesetz und von den Geboten abgefallen waren, einige zurück, dort fanden sie nämlich Zuflucht.

10,15 König Alexander erfuhr, was Demetrius Jonatan alles zugesichert hatte. Man berichtete ihm auch von den Kriegen und den Heldentaten Jonatans und seiner Brüder und von den zahlreichen Mühen, die sie auf sich genommen hatten.

10,16 Da sagte er: Können wir noch einmal solch einen Mann finden wie ihn? Wir wollen ihn zu unserem Freund und Verbündeten machen.

10,17 Er schrieb also einen Brief und schickte ihn an Jonatan. Der Brief hatte folgenden Inhalt:

10,18 König Alexander grüßt seinen Bruder Jonatan.

10,19 Wir haben gehört, daß du ein tapferer Mann bist, du bist es wert, unser Freund zu sein.

10,20 Darum ernennen wir dich heute zum Hohenpriester über dein Volk, du darfst den Titel Freund des Königs führen. Halte zu uns, und bewahre uns die Freundschaft! Zugleich übersandte er ihm den Purpurmantel und einen goldenen Kranz.

10,21 Im siebten Monat des Jahres 160 legte Jonatan am Laubhüttenfest das gesegnete Gewand an. Er hob Truppen aus und verschaffte sich eine Menge Waffen.

10,22 Als Demetrius davon hörte, war er bestürzt. Er sagte: Was haben wir da gemacht!

10,23 Alexander ist uns zuvorgekommen. Er hat die Freundschaft der Juden gewonnen, so daß sie ihn unterstützen.

10,24 Doch ich will ihnen auch schreiben. Ich will ihnen gut zureden und versprechen, sie auszuzeichnen und zu beschenken. Vielleicht werden sie mich dann unterstützen.

10,25 Er schrieb ihnen also folgenden Brief: König Demetrius grüßt das jüdische Volk.

10,26 Ihr habt die Verträge, die ihr mit uns geschlossen habt, gehalten, habt uns die Freundschaft bewahrt und euch nicht unseren Feinden angeschlossen. Wir haben es vernommen und uns darüber gefreut.

10,27 Bleibt uns auch weiterhin treu! Wir werden euch das Gute vergelten, das ihr uns erweist.

10,28 Wir werden euch viele Verpflichtungen erlassen und euch Geschenke machen.

10,29 Von heute an erkläre ich euch für frei und erlasse allen Juden die Kopfsteuer, die Salzsteuer und die Lieferung der Kränze.

10,30 Von heute an verzichte ich für immer auf den dritten Teil der Erträge der Felder und auf die Hälfte der Erträge der Bäume, die mir aus Judäa zustehen sowie aus den drei Bezirken Samariens und Galiläas, die an Judäa angeschlossen worden sind.

10,31 Jerusalem sei gesegnet und unantastbar und soll mit seiner Umgebung vom Zehnten und von der Steuer befreit sein.

10,32 Ich verzichte auch auf die Befehlsgewalt über die Burg von Jerusalem. Ich gestatte dem Hohenpriester, selbst die Männer auszuwählen, die er als Wache in die Burg legen will.

10,33 In meinem ganzen Reich lasse ich alle Juden, die als Gefangene aus Judäa verschleppt worden sind, ohne Lösegeld frei. Auch ihre Tiere darf niemand zum Frondienst heranziehen.

10,34 An allen Festen, Shabbaten, Neumonden und Feiertagen sowie drei Tage vor und nach einem Fest braucht kein Jude in meinem Reich Steuern oder Schulden zu bezahlen.

10,35 Niemand soll einen von ihnen in irgendeiner Sache belangen oder belästigen dürfen.

10,36 Bis zu dreißigtausend Juden sollen in das königliche Heer aufgenommen werden und den gleichen Sold erhalten wie alle anderen Soldaten des Königs.

10,37 Sie sollen auch in den großen Festungen des Königs Dienst tun und Vertrauensstellungen im Reich einnehmen. Ihre Offiziere und Befehlshaber sind aus ihren eigenen Reihen zu wählen. Sie dürfen nach ihren eigenen Gesetzen leben, ganz so, wie es der König für Judäa angeordnet hat.

10,38 Die drei Bezirke, die von der Provinz Samarien abgetrennt und Judäa angeschlossen worden sind, sollen unter gemeinsamer Verwaltung zu Judäa gehören und nur dem Hohenpriester unterstellt sein.

10,39 Ptolemaïs und das angrenzende Gebiet vermache ich als Geschenk dem Tempel von Jerusalem, daraus soll der nötige Aufwand für den Tempeldienst bestritten werden.

10,40 Auf eigene Rechnung will ich aus geeigneten Orten jährlich fünfzehntausend Silberschekel aufbringen.

10,41 Alles, was die Behörden von den in den früheren Jahren üblichen Zuwendungen noch nicht bezahlt haben, sollen sie von nun an für die Arbeiten am Tempel zur Verfügung stellen.

10,42 Auch die fünftausend Silberschekel, die bisher vom Jahresaufkommen des Tempels als Steuer erhoben wurden, werden erlassen und sollen den diensttuenden Priestern zukommen.

10,43 Jeder, der sich in das Miqdash von Jerusalem flüchtet oder in das zum Tempel gehörende Gebiet, wird mit seinem ganzen Besitz, den er in meinem Reich hat, von jeder Schuld dem König gegenüber und von jeder anderen geschäftlichen Verpflichtung frei sein.

10,44 Die Kosten für die Arbeiten am Miqdash, sowohl für Neubauten wie für Ausbesserungen, gehen zu Lasten des Königs,

10,45 ebenso gehen die Kosten für den Bau der Mauern in Jerusalem und für die Stadtmauern, die es umgeben, auf die Rechnung des Königs, schließlich auch die Mauerbauten in Judäa.

10,46 Als Jonatan und das Volk diese Versprechungen hörten, glaubten sie ihnen nicht und gingen nicht darauf ein, denn sie dachten an das große Unglück, das er in Israel angerichtet, und in welche Not er sie gebracht hatte.

10,47 Sie hielten zu Alexander, weil er ihnen zuerst Frieden angeboten hatte, und sie kämpften die ganze Zeit auf seiner Seite.

10,48 König Alexander zog große Truppenmassen zusammen und schlug Demetrius gegenüber sein Lager auf.

10,49 Die beiden Könige eröffneten den Kampf gegeneinander. Das Heer des Demetrius floh, Alexander setzte ihm nach und gewann die Oberhand.

10,50 Er kämpfte hartnäckig, bis die Sonne unterging. An jenem Tag fiel Demetrius in der Schlacht.

10,51 Alexander schickte Gesandte zu Ptolemäus, dem König von Ägypten, und ließ ihm folgendes sagen:

10,52 Ich bin in mein Reich zurückgekehrt, habe mich auf den Thron meiner Väter gesetzt und die Herrschaft angetreten. Ich habe Demetrius besiegt und unser Land in meine Gewalt gebracht.

10,53 Ich habe mit ihm gekämpft, er wurde mit seinem Heer von uns vernichtend geschlagen. So haben wir uns auf den Thron seines Reiches gesetzt.

10,54 Laßt uns nun miteinander Freundschaft schließen. Gib mir deine Tochter zur Frau, damit wir uns durch diese Heirat miteinander verschwägern. Ich werde dir und ihr Geschenke machen, die deiner würdig sind.

10,55 König Ptolemäus antwortete: Welch glücklicher Tag, an dem du in das Land deiner Väter zurückgekehrt bist und dich auf den Thron ihres Reiches gesetzt hast.

10,56 Ich will auf deinen Vorschlag eingehen. Doch komm mir bis Ptolemaïs entgegen, damit wir uns kennenlernen. Dann werde ich mich mit dir verschwägern, wie du geschrieben hast.

10,57 Ptolemäus verließ Ägypten und nahm seine Tochter Kleopatra mit sich. Im Jahr 162 kam er nach Ptolemaïs.

10,58 Als König Alexander mit ihm zusammenkam, gab er ihm seine Tochter zur Frau. Er veranstaltete in Ptolemaïs eine glänzende Hochzeit für sie, wie es bei Königen üblich ist.

10,59 König Alexander schrieb an Jonatan, er möge doch zu ihm kommen und sich mit ihm treffen.

10,60 Da begab sich Jonatan mit glänzendem Gefolge nach Ptolemaïs und traf dort die beiden Könige. Er brachte ihnen und ihren Freunden Silber, Gold und viele Geschenke mit. So gewann er sie für sich.

10,61 Aber ehrlose Männer aus Israel, Verräter, traten gemeinsam auf und klagten ihn an. Doch der König schenkte ihnen keine Beachtung.

10,62 Vielmehr gab er die Anweisung, Jonatan anstelle der Gewänder, die er trug, mit Purpur zu bekleiden. Das geschah,

10,63 und der König ließ ihn neben sich Platz nehmen. Dann sagte er zu seinen höchsten Beamten: Nehmt ihn mit in die Stadt, und gebt bekannt, daß niemand ihn in irgendeiner Sache anklagen darf, keiner darf ihm aus irgendeinem Grund Ungelegenheiten bereiten.

10,64 Als die Ankläger sahen, daß er öffentlich geehrt wurde und mit Purpur bekleidet war, machten sie sich alle davon.

10,65 Der König ließ Jonatan noch weitere Ehrungen zukommen: Er ließ ihn in das Verzeichnis seiner ersten Freunde aufnehmen und ernannte ihn zum Befehlshaber und Statthalter.

10,66 Darauf kehrte Jonatan in Frieden und voll Freude nach Jerusalem zurück.

10,67 Im Jahr 165 kam Demetrius, der Sohn des Demetrius, aus Kreta in das Land seiner Väter.

10,68 Als König Alexander das hörte, war er sehr bestürzt und kehrte nach Antiochia zurück.

10,69 Demetrius ernannte Apollonius zum Statthalter von Zölesyrien. Dieser brachte ein großes Heer zusammen und schlug sein Lager bei Jamnia auf. Von dort schickte er dem Hohenpriester Jonatan diese Botschaft:

10,70 Nur du allein stellst dich gegen uns. Deinetwegen verlacht und verhöhnt man mich. Was maßt du dir uns gegenüber an in deinen Bergen?

10,71 Wenn du dich auf deine Truppen verlassen kannst, dann komm doch herunter zu uns in die Ebene, dort wollen wir unsere Kräfte messen. Denn bei mir befinden sich die Truppen aus den Städten.

10,72 Frag doch nach, und erkundige dich, wer ich bin und wer die Leute sind, die auf meiner Seite stehen. Man wird dir sagen, daß ihr uns nicht standhalten könnt. Schon zweimal wurden deine Vorfahren in ihrem Land in die Flucht geschlagen.

10,73 In der Ebene wirst du dich auch diesmal gegen die Reiterei und gegen eine solche Streitmacht nicht halten können, da gibt es nämlich keinen Stein und keinen Kiesel und auch keinen Schlupfwinkel, in den man fliehen kann.

10,74 Als Jonatan die Worte des Apollonius vernahm, war er empört und rückte mit zehntausend Mann aus Jerusalem aus. Sein Bruder Simeon ging zu seiner Unterstützung mit.

10,75 Vor Jafo schlug er sein Lager auf. Die Einwohner der Stadt verschlossen die Tore vor ihm, denn Apollonius hatte eine Besatzung nach Jafo gelegt. Als die Juden aber angriffen,

10,76 bekamen die Einwohner Angst und übergaben die Stadt, und Jonatan nahm Jafo in Besitz.

10,77 Das erfuhr Apollonius, der mit dreitausend Reitern und einem großen Heer ein Lager bezogen hatte. Er zog auf Aschdod zu, als wolle er durch die Stadt ziehen. Zugleich rückte er in die Ebene vor, weil er sich auf seine starke Reiterei verließ.

10,78 Jonatan aber setzte ihm nach bis vor Aschdod. Dort gerieten die Heere aneinander.

10,79 Apollonius hatte tausend Reiter in einem Hinterhalt zurückgelassen.

10,80 Jonatan bemerkte den Hinterhalt, aber die Reiter umzingelten sein Heer und schossen vom frühen Morgen bis zum Abend mit Pfeilen auf seine Leute.

10,81 Aber die Männer hielten stand, wie Jonatan befohlen hatte, und die Pferde der Feinde wurden müde.

10,82 Dann ließ Simeon seine Streitkräfte ausschwärmen und griff die feindlichen Fußtruppen an. Da die Reiterei erschöpft war, wurde das Heer von ihm in die Flucht geschlagen.

10,83 Die Reiterei wurde über die ganze Ebene hin zersprengt und floh nach Aschdod, sie gingen in den Tempel Dagons, ihres Götzenbildes, um sich zu retten.

10,84 Jonatan steckte Aschdod und die Nachbarorte in Brand und plünderte sie, er brannte auch den Tempel des Dagon nieder mit allen, die sich dorthin geflüchtet hatten.

10,85 Es waren etwa achttausend Mann, die durch das Schwert oder im Feuer umkamen.

10,86 Von dort brach Jonatan auf und schlug sein Lager bei Aschkelon auf. Die Einwohner kamen ihm in einem festlichen Zug aus der Stadt entgegen.

10,87 Dann kehrten Jonatan und seine Leute mit großer Beute nach Jerusalem zurück.

10,88 Als König Alexander davon hörte, erwies er ihm noch weitere Ehren.

10,89 Er übersandte ihm eine goldene Spange, wie man sie Angehörigen der königlichen Familie verleiht, auch übergab er ihm die Stadt Ekron mit ihrem ganzen Gebiet zum Besitz.

 

 
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