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Das Buch Mishle

DIE SRÜCHE SALOMOS

1. Kapitel

1,1 Dies sind die Sprüche Salomos, des Sohnes Davids, des Königs von Israel,

1,2 um zu lernen Weisheit und Zucht und zu verstehen verständige Rede,

1,3daß man annehme Zucht, die da klug macht, Gerechtigkeit, Recht und Redlichkeit;

1,4 daß die Unverständigen klug werden und die Jünglinge vernünftig und besonnen.

1,5 Wer weise ist, der höre zu und wachse an Weisheit, und wer verständig ist, der lasse sich raten,

1,6 daß er verstehe Sprüche und Gleichnisse, die Worte der Weisen und ihre Rätsel.

1,7 Die Furcht Haschem ist der Anfang der Erkenntnis. Die Toren verachten Weisheit und Zucht.

1,8 Mein Sohn, gehorche der Zucht deines Vaters und verlaß nicht das Gebot deiner Mutter;

1,9 denn das ist ein schöner Schmuck für dein Haupt und eine Kette an deinem Halse.

1,10 Mein Sohn, wenn dich die bösen Buben locken, so folge nicht.

1,11 Wenn sie sagen: «Geh mit uns! Wir wollen auf Blut lauern und den Unschuldigen nachstellen ohne Grund;

1,12 wir wollen sie verschlingen wie das Totenreich die Lebendigen, und die Frommen sollen sein wie die, welche hinunter in die Grube fahren;

1,13 wir wollen kostbares Gut finden, wir wollen unsre Häuser mit Raub füllen;

1,14 wage es mit uns! Einen Beutel nur soll es für uns alle geben»:

1,15 mein Sohn, wandle den Weg nicht mit ihnen, halte deinen Fuß fern von ihrem Pfad;

1,16 denn ihre Füße laufen zum Bösen und eilen, Blut zu vergießen.

1,17 Man spannt das Netz vor den Augen der Vögel, doch lassen sie sich nicht warnen;

1,18 so lauern jene auf ihr eigenes Blut und trachten sich selbst nach dem Leben.

1,19 So geht es allen, die nach unrechtem Gewinn trachten; er nimmt ihnen das Leben.

1,20 Die Weisheit ruft laut auf der Straße und läßt ihre Stimme hören auf den Plätzen.

1,21 Sie ruft im lautesten Getümmel, am Eingang der Tore, sie redet ihre Worte in der Stadt:

1,22 Wie lange wollt ihr Unverständigen unverständig sein und ihr Spötter Lust zu Spötterei haben und ihr Toren die Erkenntnis hassen?

1,23 Kehret euch zu meiner Zurechtweisung! Siehe, ich will über euch strömen lassen meinen Geist und euch meine Worte kundtun.

1,24 Wenn ich aber rufe und ihr euch weigert, wenn ich meine Hand ausstrecke und niemand darauf achtet,

1,25 wenn ihr fahren laßt all meinen Rat und meine Zurechtweisung nicht wollt:

1,26 dann will ich auch lachen bei eurem Unglück und euer spotten, wenn da kommt, was ihr fürchtet;

1,27 wenn über euch kommt wie ein Sturm, was ihr fürchtet, und euer Unglück wie ein Wetter; wenn über euch Angst und Not kommt.

1,28 Dann werden sie nach mir rufen, aber ich werde nicht antworten; sie werden mich suchen und nicht finden.

1,29 Weil sie die Erkenntnis haßten und die Furcht Haschem nicht erwählten,

1,30 meinen Rat nicht wollten und all meine Zurechtweisung verschmähten,

1,31 darum sollen sie essen von den Früchten ihres Wandels und satt werden an ihren Ratschlägen.

1,32 Denn den Unverständigen bringt ihre Abkehr den Tod, und die Toren bringt ihre Sorglosigkeit um;

1,33 wer aber mir gehorcht, wird sicher wohnen und ohne Sorge sein und kein Unglück fürchten.

2. Kapitel

2,1 Mein Sohn, wenn du meine Rede annimmst und meine Gebote behältst,

2,2 so daß dein Ohr auf Weisheit acht hat, und du dein Herz der Einsicht zuneigst,

2,3 ja, wenn du nach Vernunft rufst und deine Stimme nach Einsicht erhebst,

2,4 wenn du sie suchst wie Silber und nach ihr forschest wie nach Schätzen:

2,5 dann wirst du die Furcht Haschem verstehen und die Erkenntnis Haschem finden.

2,6 Denn Haschem gibt Weisheit, und aus seinem Munde kommt Erkenntnis und Einsicht.

2,7 Er läßt es den Aufrichtigen gelingen und beschirmt die Frommen.

2,8 Er behütet, die recht tun, und bewahrt den Weg seiner Frommen.

2,9 Dann wirst du verstehen Gerechtigkeit und Recht und Frömmigkeit und jeden guten Weg.

2,10 Denn Weisheit wird in dein Herz eingehen, und Erkenntnis wird deiner Seele lieblich sein,

2,11 Besonnenheit wird dich bewahren und Einsicht dich behüten,

2,12 daß du nicht geratest auf den Weg der Bösen noch unter Leute, die Falsches reden,

2,13 die da verlassen die rechte Bahn und gehen finstere Wege,

2,14 die sich freuen, Böses zu tun, und sind fröhlich über böse Ränke,

2,15 die krumme Wege gehen und auf Abwege kommen,

2,16 daß du nicht geratest an die Frau eines andern, an eine Fremde, die glatte Worte gibt

2,17 und verläßt den Gefährten ihrer Jugend und vergißt den Bund ihres Haschem;

2,18 denn ihr Haus neigt sich zum Tode und ihre Wege zum Ort der Toten;

2,19 alle, die zu ihr eingehen, kommen nicht wieder und erreichen den Weg des Lebens nicht,

2,20 daß du wandelst auf dem Wege der Guten und bleibst auf der Bahn der Gerechten;

2,21 denn die Gerechten werden im Lande wohnen und die Frommen darin bleiben,

2,22 aber die Torahlosen werden aus dem Land ausgerottet und die Treulosen daraus vertilgt.

3. Kapitel

3,1 Mein Sohn, vergiß meine Weisung nicht, und dein Herz behalte meine Gebote,

3,2 denn sie werden dir langes Leben bringen und gute Jahre und Frieden;

3,3 Gnade und Treue sollen dich nicht verlassen. Hänge meine Gebote an deinen Hals und schreibe sie auf die Tafel deines Herzens,

3,4 so wirst du Freundlichkeit und Klugheit erlangen, die Haschem und den Menschen gefallen.

3,5 Verlaß dich auf Haschem von ganzem Herzen, und verlaß dich nicht auf deinen Verstand auch nicht auf Religionen,

3,6 sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen.

3,7 Dünke dich nicht weise zu sein, sondern fürchte Haschem und weiche vom Bösen.

3,8 Das wird deinem Leibe wohlsam sein und deine Gebeine erquicken.

3,9 Ehre Haschem mit deinem Gut und mit den Erstlingen all deines Einkommens,

3,10 so werden deine Scheunen voll werden und deine Kelter von Wein überlaufen.

3,11 Mein Sohn, verwirf die Zucht Haschem nicht und sei nicht ungeduldig, wenn er dich zurechtweist;

3,12 denn wen Haschem liebt, den weist er zurecht, und hat doch Wohlgefallen an ihm wie ein Vater am Sohn.

3,13 Wohl dem Menschen, der Weisheit erlangt, und dem Menschen, der Einsicht gewinnt!

3,14 Denn es ist besser, sie zu erwerben, als Silber, und ihr Ertrag ist besser als Gold.

3,15 Sie ist edler als Perlen, und alles, was du wünschen magst, ist ihr nicht zu vergleichen.

3,16 Langes Leben ist in ihrer rechten Hand, in ihrer Linken ist Reichtum und Ehre.

3,17 Ihre Wege sind liebliche Wege, und alle ihre Steige sind Frieden.

3,18 Sie ist ein Baum des Lebens allen, die sie ergreifen, und glücklich sind, die sie festhalten.

3,19 Haschem hat die Erde durch Weisheit gegründet und nach seiner Einsicht die Himmel bereitet.

3,20 Kraft seiner Erkenntnis quellen die Wasser der Tiefe hervor und triefen die Wolken von Tau.

3,21 Mein Sohn, laß sie nicht aus deinen Augen weichen, bewahre Umsicht und Klugheit!

3,22 Das wird Leben sein für dein Herz und ein Schmuck für deinen Hals.

3,23 Dann wirst du sicher wandeln auf deinem Wege, so daß dein Fuß sich nicht stoßen wird.

3,24 Legst du dich, so wirst du dich nicht fürchten, und liegst du, so wirst du süß schlafen.

3,25 Fürchte dich nicht vor plötzlichem Schrecken noch vor dem Verderben der Torahlosen, wenn es über sie kommt;

3,26 denn Haschem ist deine Zuversicht; er behütet deinen Fuß, daß er nicht gefangen werde.

3,27 Weigere dich nicht, dem Bedürftigen Gutes zu tun, wenn deine Hand es vermag.

3,28 Sprich nicht zu deinem Nächsten: Geh hin und komm wieder; morgen will ich dir geben, wenn du es doch hast.

3,29 Trachte nicht nach Bösem gegen deinen Nächsten, der arglos bei dir wohnt.

3,30 Geh nicht mutwillig mit jemand vor Gericht, wenn er dir kein Leid getan hat.

3,31 Sei nicht neidisch auf den Gewalttätigen und erwähle seiner Wege keinen,

3,32 denn wer auf Abwegen geht, ist Haschem ein Greuel, aber den Frommen ist er Freund.

3,33 Im Hause des Torahlosen ist der Fluch Haschem, aber das Haus der Gerechten wird gesegnet.

3,34 Er wird der Spötter spotten, aber den Demütigen wird er Gnade geben.

3,35 Die Weisen werden Ehre erben, aber die Toren werden Schande davontragen.

4. Kapitel

4,1 Höret, meine Söhne, die Mahnung eures Vaters; merkt auf, daß ihr lernet und klug werdet!

4,2 Denn ich gebe euch eine gute Lehre; verlaßt meine Weisung nicht.

4,3 Denn als ich noch Kind in meines Vaters Hause war, ein zartes, das einzige unter der Obhut meiner Mutter,

4,4 da lehrte er mich und sprach: Laß dein Herz meine Worte aufnehmen; halte meine Gebote, so wirst du leben.

4,5 Erwirb Weisheit, erwirb Einsicht; vergiß sie nicht und weiche nicht von der Rede meines Mundes;

4,6 verlaß sie nicht, so wird sie dich bewahren; liebe sie, so wird sie dich behüten.

4,7 Denn der Weisheit Anfang ist: Erwirb Weisheit, und erwirb Einsicht mit allem, was du hast.

4,8 Achte sie hoch, so wird sie dich erhöhen und wird dich zu Ehren bringen, wenn du sie herzest.

4,9 Sie wird dein Haupt schön schmücken und wird dich zieren mit einer prächtigen Krone.

4,10 Höre, mein Sohn, und nimm an meine Rede, so werden deine Jahre viel werden.

4,11 Ich will dich den Weg der Weisheit führen; ich will dich auf rechter Bahn leiten,

4,12 daß, wenn du gehst, dein Gang dir nicht sauer werde, und wenn du läufst, du nicht strauchelst.

4,13 Bleibe in der Unterweisung, laß nicht ab davon; bewahre sie, denn sie ist dein Leben.

4,14 Komm nicht auf den Pfad der Torahlosen und tritt nicht auf den Weg der Bösen.

4,15 Laß ihn liegen und geh nicht darauf; weiche von ihm und geh vorüber.

4,16 Denn jene können nicht schlafen, wenn sie nicht übel getan, und sie ruhen nicht, wenn sie nicht Schaden getan.

4,17 Sie nähren sich vom Brot des Frevels und trinken vom Wein der Gewalttat.

4,18 Der Gerechten Pfad glänzt wie das Licht am Morgen, das immer heller leuchtet bis zum vollen Tag.

4,19 Der Torahlosen Weg aber ist wie das Dunkel; sie wissen nicht, wodurch sie zu Fall kommen werden.

4,20 Mein Sohn, merke auf meine Rede und neige dein Ohr zu meinen Worten.

4,21 Laß sie dir nicht aus den Augen kommen; behalte sie in deinem Herzen,

4,22 denn sie sind das Leben denen, die sie finden, und wohlsam ihrem ganzen Leibe.

4,23 Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus quillt das Leben.

4,24 Tu von dir die Falschheit des Mundes und sei kein Lästermaul.

4,25 Laß deine Augen stracks vor sich sehen und deinen Blick geradeaus gerichtet sein.

4,26 Laß deinen Fuß auf ebener Bahn gehen, und alle deine Wege seien gewiß.

4,27 Weiche weder zur Rechten noch zur Linken; wende deinen Fuß vom Bösen.

5. Kapitel

5,1 Mein Sohn, merke auf meine Weisheit; neige dein Ohr zu meiner Lehre,

5,2 daß du behaltest guten Rat und dein Mund wisse Erkenntnis zu bewahren!

5,3 Denn die Lippen der fremden Frau sind süß wie Honigseim, und ihre Kehle ist glatter als Öl,

5,4 hernach aber ist sie bitter wie Wermut und scharf wie ein zweischneidiges Schwert.

5,5 Ihre Füße laufen zum Tode hinab; ihre Schritte führen ins Totenreich,

5,6 daß du den Weg des Lebens nicht wahrnimmst; haltlos sind ihre Tritte, und du merkst es nicht.

5,7 So gehorchet mir nun, meine Söhne, und weicht nicht von der Rede meines Mundes.

5,8 Laß deine Wege ferne von ihr sein und nahe nicht zur Tür ihres Hauses,

5,9 daß du nicht andern gebest deine Kraft und deine Jahre einem Unbarmherzigen;

5,10 daß sich nicht Fremde von deinem Vermögen sättigen und, was du mühsam erworben, nicht komme in eines andern Haus,

5,11 und müssest hernach seufzen, wenn dir Leib und Leben vergehen,

5,12 und sprechen: «Ach, wie konnte ich die Zucht hassen, und wie konnte mein Herz die Warnung verschmähen,

5,13 daß ich nicht gehorchte der Stimme meiner Lehrer und mein Ohr nicht kehrte zu denen, die mich lehrten!

5,14 Ich wäre fast ganz ins Unglück gekommen vor allen Leuten und allem Volk.»

5,15 Trinke Wasser aus deiner Zisterne und was quillt aus deinem Brunnen.

5,16 Sollen deine Quellen herausfließen auf die Straße und deine Wasserbäche auf die Gassen?

5,17 Habe du sie allein, und kein Fremder mit dir.

5,18 Dein Born sei gesegnet, und freue dich des Weibes deiner Jugend.

5,19 Sie ist lieblich wie eine Gazelle und holdselig wie ein Reh. Laß dich von ihrer Anmut allezeit sättigen und ergötze dich allewege an ihrer Liebe.

5,20 Mein Sohn, warum willst du dich an der Fremden ergötzen und herzest eine andere?

5,21 Denn eines jeden Wege liegen offen vor Haschem, und er hat acht auf aller Menschen Gänge.

5,22 Den Torahlosen werden seine Missetaten fangen, und er wird mit den Stricken seiner Sünde gebunden.

5,23 Er wird sterben, weil er Zucht nicht wollte, und um seiner großen Torheit willen wird er hingerafft werden.

6. Kapitel

6,1 Mein Sohn, hast du gebürgt für deinen Nächsten und hast du Handschlag gegeben für einen andern,

6,2 und bist du gebunden durch deine Worte und gefangen in der Rede deines Mundes,

6,3 so tu doch dies, mein Sohn, damit du wieder frei werdest, denn du bist in deines Nächsten Hand: Geh hin, dränge und bestürme deinen Nächsten!

6,4 Laß deine Augen nicht schlafen noch deine Augenlider schlummern.

6,5 Errette dich wie ein Reh aus der Schlinge und wie ein Vogel aus der Hand des Fängers.

6,6 Geh hin zur Ameise, du Fauler, sieh an ihr Tun und lerne von ihr!

6,7 Wenn sie auch keinen Fürsten noch Hauptmann noch Herrn hat,

6,8 so bereitet sie doch ihr Brot im Sommer und sammelt ihre Speise in der Ernte.

6,9 Wie lange liegst du, Fauler! Wann willst du aufstehen von deinem Schlaf?

6,10 Ja, schlafe noch ein wenig, schlummre ein wenig, schlage die Hände ineinander ein wenig, daß du schlafest,

6,11 so wird dich die Armut übereilen wie ein Räuber und der Mangel wie ein gewappneter Mann.

6,12 Ein zügelloser Mensch, ein nichtswürdiger Mann, wer einhergeht mit trügerischem Munde,

6,13 wer winkt mit den Augen, gibt Zeichen mit den Füßen, zeigt mit den Fingern,

6,14 trachtet nach Bösem und Verkehrtem in seinem Herzen und richtet allezeit Hader an.

6,15 Darum wird plötzlich sein Verderben über ihn kommen, und er wird schnell zerschmettert werden, und keine Hilfe ist da.

6,16 Diese sechs Dinge haßt Haschem, diese sieben sind ihm ein Greuel:

6,17 stolze Augen, falsche Zunge, Hände, die unschuldiges Blut vergießen,

6,18 ein Herz, das arge Ränke schmiedet, Füße, die behende sind, Schaden zu tun,

6,19 ein falscher Zeuge, der frech Lügen redet, und wer Hader zwischen Brüdern anrichtet.

6,20 Mein Sohn, bewahre das Gebot deines Vaters und laß nicht fahren die Weisung deiner Mutter.

6,21 Binde sie dir aufs Herz allezeit und hänge sie um deinen Hals,

6,22 daß sie dich geleiten, wenn du gehst; daß sie dich bewachen, wenn du dich legst; daß sie zu dir sprechen, wenn du aufwachst.

6,23 Denn das Gebot ist eine Leuchte und die Weisung ein Licht, und die Vermahnung ist der Weg des Lebens,

6,24 auf daß du bewahrt werdest vor der Frau deines Nächsten, vor der glatten Zunge der Fremden.

6,25 Laß dich nach ihrer Schönheit nicht gelüsten in deinem Herzen, und laß dich nicht fangen durch ihre Augenlider.

6,26 Denn eine Hure bringt einen nur ums Brot, aber eines andern Ehefrau um das kostbare Leben.

6,27 Kann auch jemand ein Feuer unterm Gewand tragen, ohne daß seine Kleider brennen?

6,28 Oder könnte jemand auf Kohlen gehen, ohne daß seine Füße verbrannt würden?

6,29 So geht es dem, der zu seines Nächsten Frau geht; es bleibt keiner ungestraft, der sie berührt.

6,30 Es ist für einen Dieb nicht so schmachvoll, wenn er stiehlt, um seine Gier zu stillen, weil ihn hungert;

6,31 wenn er ergriffen wird, ersetzt er's siebenfach und gibt her alles Gut seines Hauses.

6,32 Aber wer mit einer Verheirateten die Ehe bricht, der ist von Sinnen; wer sein Leben ins Verderben bringen will, der tut das.

6,33 Schläge und Schande treffen ihn, und seine Schmach ist nicht zu tilgen.

6,34 Denn Eifersucht erweckt den Grimm des Mannes, und er schont nicht am Tage der Vergeltung

6,35 und achtet kein Sühnegeld und nimmt nichts an, wenn du auch viel schenken wolltest.

7. Kapitel

7,1 Mein Sohn, behalte meine Rede und verwahre meine Gebote bei dir.

7,2 Behalte meine Gebote, so wirst du leben, und hüte meine Weisung wie deinen Augapfel.

7,3 Binde sie an deine Finger, schreibe sie auf die Tafel deines Herzens.

7,4 Sprich zur Weisheit: Du bist meine Schwester, und nenne die Klugheit deine Freundin,

7,5 daß sie dich behüte vor der Frau des andern, vor der Fremden, die glatte Worte gibt.

7,6 Denn am Fenster meines Hauses guckte ich durchs Gitter

7,7 und sah einen unter den Unverständigen und erblickte unter den jungen Leuten einen törichten Jüngling.

7,8 Der ging über die Gasse zu ihrer Ecke und schritt daher auf dem Wege zu ihrem Hause

7,9 in der Dämmerung, am Abend des Tages, als es Nacht wurde und dunkel war.

7,10 Und siehe, da begegnete ihm eine Frau im Hurengewand, listig,

7,11 wild und unbändig, daß ihre Füße nicht in ihrem Hause bleiben können.

7,12 Jetzt ist sie draußen, jetzt auf der Gasse und lauert an allen Ecken.

7,13 Und sie erwischt ihn und küßt ihn, wird dreist und spricht:

7,14 «Ich hatte Dankopfer zu bringen, heute habe ich meine Gelübde erfüllt.

7,15 Darum bin ich ausgegangen, dir entgegen, um nach dir zu suchen, und habe dich gefunden.

7,16 Ich habe mein Bett schön geschmückt mit bunten Decken aus Ägypten.

7,17 Ich habe mein Lager mit Myrrhe besprengt, mit Aloe und Zimt.

7,18 Komm, laß uns kosen bis an den Morgen und laß uns die Liebe genießen.

7,19 Denn der Mann ist nicht daheim, er ist auf eine weite Reise gegangen.

7,20 Er hat den Geldbeutel mit sich genommen; er wird erst zum Vollmond wieder heimkommen.»

7,21 Sie überredet ihn mit vielen Worten und gewinnt ihn mit ihrem glatten Munde.

7,22 Er folgt ihr alsbald nach, wie ein Stier zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Hirsch, der ins Netz rennt,

7,23 bis ihm der Pfeil die Leber spaltet; wie ein Vogel zur Schlinge eilt und weiß nicht, daß es das Leben gilt.

7,24 So höret nun auf mich, meine Söhne, und merket auf die Rede meines Mundes.

7,25 Laß dein Herz nicht abweichen auf ihren Weg und irre nicht ab auf ihre Bahn.

7,26 Denn zahlreich sind die Erschlagenen, die sie gefällt hat, und viele sind, die sie getötet hat.

7,27 Ihr Haus ist der Weg ins Totenreich, da man hinunterfährt in des Todes Kammern.

8. Kapitel

8,1 Ruft nicht die Weisheit, und läßt nicht die Klugheit sich hören?

8,2 Öffentlich am Wege steht sie und an der Kreuzung der Straßen;

8,3 an den Toren am Ausgang der Stadt und am Eingang der Pforte ruft sie:

8,4 Oh ihr Männer, euch rufe ich und erhebe meine Stimme zu den Menschenkindern!

8,5 Merkt, ihr Unverständigen, auf Klugheit, und ihr Toren, nehmet Verstand an!

8,6 Hört, denn ich rede, was edel ist, und meine Lippen sprechen, was recht ist.

8,7 Denn mein Mund redet die Weisheit, und meine Lippen hassen, was gottlos ist.

8,8 Alle Reden meines Mundes sind gerecht, es ist nichts Verkehrtes noch Falsches darin.

8,9 Sie sind alle recht für die Verständigen und richtig denen, die Erkenntnis gefunden haben.

8,10 Nehmt meine Zucht an lieber als Silber und achtet Erkenntnis höher als kostbares Gold.

8,11 Denn Weisheit ist besser als Perlen, und alles, was man wünschen mag, kann ihr nicht gleichen.

8,12 Ich, die Weisheit, wohne bei der Klugheit und weiß, guten Rat zu geben.

8,13 Die Furcht Haschem haßt das Arge; Hoffart und Hochmut, bösem Wandel und falschen Lippen bin ich Feind.

8,14 Mein ist beides, Rat und Tat, ich habe Verstand und Macht.

8,15 Durch mich regieren die Könige und setzen die Ratsherren das Recht.

8,16 Durch mich herrschen die Fürsten und die Edlen richten auf Erden.

8,17 Ich liebe, die mich lieben, und die mich suchen, finden mich.

8,18 Reichtum und Ehre ist bei mir, bleibendes Gut und Gerechtigkeit.

8,19 Meine Frucht ist besser als Gold und feines Gold, und mein Ertrag besser als erlesenes Silber.

8,20 Ich wandle auf dem Wege der Gerechtigkeit, mitten auf der Straße des Rechts,

8,21 daß ich versorge mit Besitz, die mich lieben, und ihre Schatzkammern fülle.

8,22 Haschem hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her.

8,23 Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war.

8,24 Als die Meere noch nicht waren, ward ich geboren, als die Quellen noch nicht waren, die von Wasser fließen.

8,25 Ehe denn die Berge eingesenkt waren, vor den Hügeln ward ich geboren,

8,26 als er die Erde noch nicht gemacht hatte noch die Fluren darauf noch die Schollen des Erdbodens.

8,27 Als er die Himmel bereitete, war ich da, als er den Kreis zog über den Fluten der Tiefe,

8,28 als er die Wolken droben mächtig machte, als er stark machte die Quellen der Tiefe,

8,29 als er dem Meer seine Grenze setzte und den Wassern, daß sie nicht überschreiten seinen Befehl; als er die Grundfesten der Erde legte,

8,30 da war ich als sein Liebling* bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit; *Luther übersetzte im Anschluß an die griechische und lateinische Bibel «der Werkmeister».

8,31 ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern.

8,32 So hört nun auf mich, meine Söhne! Wohl denen, die meine Wege einhalten!

8,33 Höret die Mahnung und werdet weise und schlagt sie nicht in den Wind!

8,34 Wohl dem Menschen, der mir gehorcht, daß er wache an meiner Tür täglich, daß er hüte die Pfosten meiner Tore!

8,35 Wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen vom Haschem.

8,36 Wer aber mich verfehlt, zerstört sein Leben; alle, die mich hassen, lieben den Tod.

9. Kapitel

9,1 Die Weisheit hat ihr Haus gebaut und ihre sieben Säulen behauen.

9,2 Sie hat ihr Vieh geschlachtet, ihren Wein gemischt und ihren Tisch bereitet

9,3 und sandte ihre Mägde aus, zu rufen oben auf den Höhen der Stadt:

9,4 «Wer noch unverständig ist, der kehre hier ein!», und zum Toren spricht sie:

9,5 «Kommt, esset von meinem Brot und trinkt von dem Wein, den ich gemischt habe!

9,6 Verlasset die Torheit, so werdet ihr leben, und geht auf dem Wege der Klugheit.»

9,7 Wer den Spötter belehrt, der trägt Schande davon, und wer den Torahlosen zurechtweist, holt sich Schmach.

9,8 Rüge nicht den Spötter, daß er dich nicht hasse; rüge den Weisen, der wird dich lieben.

9,9 Gib dem Weisen, so wird er noch weiser werden; lehre den Gerechten, so wird er in der Lehre zunehmen.

9,10 Der Weisheit Anfang ist die Furcht vor Haschem, und den Haschem erkennen, das ist Verstand.

9,11 Denn durch mich werden deine Tage viel werden und die Jahre deines Lebens sich mehren.

9,12 Bist du weise, so bist du's dir zugute; bist du ein Spötter, so mußt du's allein tragen.

9,13 Frau Torheit ist ein unbändiges Weib, verführerisch, und weiß nichts von Scham.

9,14 Sie sitzt vor der Tür ihres Hauses auf einem Thron auf den Höhen der Stadt,

9,15 einzuladen alle, die vorübergehen und richtig auf ihrem Wege wandeln:

9,16 «Wer noch unverständig ist, der kehre hier ein!», und zum Toren spricht sie:

9,17 «Gestohlenes Wasser ist süß, und heimliches Brot schmeckt fein.»

9,18 Er weiß aber nicht, daß dort nur die Schatten wohnen, daß ihre Gäste in der Tiefe des Todes hausen.

10. Kapitel

10,1 Dies sind die Sprüche Salomos. Ein weiser Sohn ist seines Vaters Freude; aber ein törichter Sohn ist seiner Mutter Grämen.

10,2 Unrecht Gut hilft nicht; aber Gerechtigkeit errettet vom Tode.

10,3 Haschem läßt den Gerechten nicht Hunger leiden; aber die Gier der Torahlosen stößt er zurück.

10,4 Lässige Hand macht arm; aber der Fleißigen Hand macht reich.

10,5 Wer im Sommer sammelt, ist ein kluger Sohn; wer aber in der Ernte schläft, macht seinen Eltern Schande.

10,6 Segen ruht auf dem Haupt des Gerechten; aber auf die Torahlosen wird ihr Frevel fallen.

10,7 Das Andenken des Gerechten bleibt im Segen; aber der Name der Torahlosen wird verwesen.

10,8 Wer weisen Herzens ist, nimmt Gebote an; wer aber ein Narrenmaul hat, kommt zu Fall.

10,9 Wer in Unschuld lebt, der lebt sicher; wer aber verkehrte Wege geht, wird ertappt werden.

10,10 Wer mit den Augen winkt, schafft Verdruß, und wer ein Narrenmaul hat, kommt zu Fall.

10,11 Des Gerechten Mund ist ein Brunnen des Lebens; aber auf die Torahlosen wird ihr Frevel fallen.

10,12 Haß erregt Hader; aber Liebe deckt alle Übertretungen zu.

10,13 Auf den Lippen des Verständigen findet man Weisheit; aber auf den Rücken des Unverständigen gehört eine Rute.

10,14 Die Weisen halten mit ihrem Wissen zurück; aber der Toren Mund führt schnell zum Verderben.

10,15 Die Habe des Reichen ist seine feste Stadt; aber das Verderben der Geringen ist ihre Armut.

10,16 Dem Gerechten gereicht sein Erwerb zum Leben, aber dem Torahlosen sein Einkommen zur Sünde.

10,17 Zucht bewahren ist der Weg zum Leben; wer aber Zurechtweisung nicht achtet, geht in die Irre.

10,18 Falsche Lippen bergen Haß, und wer verleumdet, ist ein Tor.

10,19 Wo viel Worte sind, da geht's ohne Sünde nicht ab; wer aber seine Lippen im Zaum hält, ist klug.

10,20 Des Gerechten Zunge ist kostbares Silber; aber der Torahlosen Verstand ist wie nichts.

10,21 Des Gerechten Lippen erquicken viele; aber die Toren werden an ihrer Torheit sterben.

10,22 Der Segen Haschem allein macht reich, und nichts tut eigene Mühe hinzu.

10,23 Ein Tor hat Lust an Schandtat, aber der einsichtige Mann an Weisheit.

10,24 Was der Torahlose fürchtet, das wird ihm begegnen; und was die Gerechten begehren, wird ihnen gegeben.

10,25 Wenn das Wetter daherfährt, ist der Torahlose nicht mehr; der Gerechte aber besteht ewiglich.

10,26 Wie Essig den Zähnen und Rauch den Augen tut, so tut der Faule denen, die ihn senden.

10,27 Die Furcht Haschem mehrt die Tage; aber die Jahre der Torahlosen werden verkürzt.

10,28 Das Warten der Gerechten wird Freude werden; aber der Torahlosen Hoffnung wird verloren sein.

10,29 Das Walten des Herrn ist des Frommen Zuflucht; aber für den Übeltäter ist es Verderben.

10,30 Der Gerechte wird nimmermehr wanken; aber die Torahlosen werden nicht im Lande bleiben.

10,31 Aus dem Munde des Gerechten sprießt Weisheit; aber die falsche Zunge wird ausgerottet.

10,32 Die Lippen der Gerechten lehren wohlsame Dinge; aber der Torahlosen Mund ist Falschheit.

 

 
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